Sonntagsworte: Nur weil ich vegan lebe beudetet das nicht, dass ….

Mir ist aufgefallen, dass Veganer_innen oftmals mit bestimmten Erwartungshaltungen ihrer Mitmenschen konfrontiert sind. Dann gibt es ganz schnell den oder die typische Veganer_in und man wundert sich stark, wenn die Klischees gar nicht bestätigt werden. Mit den heutigen Sonntagworten, sollen einige Vorurteile aus dem Weg geräumt werden.

Nur weil ich vegan lebe, bedeutet das nicht, dass
1. … ich mich gesund ernähre.
Überraschung! Als Veganerin kann ich immer noch Süßigkeiten essen.  Wenn man vegan lebt, muss man nicht gleich auf ungesundes verzichten. Es stimmt, dass man häufiger vor dem Herd steht, einfach weil es nicht so viele Fertigprodukte gibt und man generell mehr ausprobiert, aber manchmal koche ich auch Nudeln mit Tofu-Bolognese, ein Gericht, das nicht als besonders nahrhaft bekannt ist. Vegan lebende Menschen sind längst keine Öko-Hippies mehr ( das war auch nie komplett so ).
2. … ich alle missionieren will.
Diese vermeintliche Veganer_innen-Eigenschaft kommt leider nicht von ungefähr. Es gibt tatsächlich eine Menge Leute, die ohne Pause ihrem gegenüber den Veganismus aufquatschen wollen oder ein schlechtes Gewissen machen. Auch diejenigen, die immer und überall von ihrer Ernährungsweise erzählen sind nicht erfunden, doch beide Gruppen sind eher in der Unterzahl. Meistenst weiß man, dass penetrante Überzeugungsversuche nichts bringen und ich glaube, dass jede_r frei entscheiden kann, welche Lebensweise die Beste ist. Klar würde ich mich freuen, wenn sich jemand bei mir Einsteigertipps holt, aber die Aufquatsch-Zeiten sind seit der 9. Klasse längst vorbei. 
3. … ich auf Ersatzprodukte verzichte.
Dieser Punkt wird wohl am meisten bemängelt. Die Legitimität von Ersatzprodukten in Fleischform, aber auch von veganem Käse wird wirklich oft in Frage gestellt. Klar, ich esse keinen Seitan mit nachgebildeter Entenhaut, aber ich bin veganen „Fleischprodukten“ nicht abgeneigt. Denn die meisten Veganer_innen haben nicht des Geschmackes wegen, sondern aufgrund moralischer Vorstellungen den Fleischkonsum beendet. Ich habe vor einiger Zeit einen längeren Artikel zu dem Thema geschrieben.

4. … ich massig über Geld verfüge.
Veganismus soll ein teurer Spaß sein, doch das stimmt nicht. Zugegeben, Ersatzprodukte sind wirklich teuer, aber zu denen greift man in der Regel selten. Wenn man die Grundnahrungsmittel (die übrigens auch auf dem Speiseplan von Allesesser_innen stehen) betrachtet, dann sind da zunächst Obst und Gemüse und Kohlenhydratlieferanten, also Kartoffeln, Brot etc. Es ist also egal, ob man nun Fleisch isst oder nicht, denn diese Produkte nimmt jede_r zu sich. Wie man ein Gericht noch „upgradet“ ist frei entscheidbar. 

5. … ich nach Besserwisser-Kommentaren lächze.
Dieser Abschnitt bezieht sich eher auf Online-Foren und die dort beteiligten Veganer_innen. Kaum ist in einer Kauftipp-Gruppe etwas gepostet wurden, schon regt man sich über den Zuckergehalt, die Firma, das Bio-Siegel oder sonstiges auf. Es gibt kaum einen Beitrag, der nicht gehässig kommentiert wird. Schwachsinn, da jede_ r den Veganismus so leben kann wie er oder sie will. Gerade Menschen in ihrer Anfangszeit kann das ziemlich verängstigen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mich anfangs über Oreo Kekse freute. Hätte ich das in einem Forum gepostet, hätte es gut sein können, dass mein Posting zerrisen wird. Hier gibt es einen tollen Artikel dazu.

6. … ich mich über meine Lebensweise definiere.
Es gibt Menschen, die sich vegan ernähren, aber im sonstigen Alltag tierische Produkte konsumieren. Zu dieser Gruppe zähle ich nicht, denn Veganismus ist für mich mehr, als ein tierleidfreies Mittagsessen. Dennoch ist es einfach ein Teil meines Lebens und nichts worübr ich mich definiere. Ich möchte nicht als Nhi, die Veganerin bezeichnet werden, da es einfach zu trivial ist. Mittlerweile ist der Veganismus öffentlich schon so oft behandelt wurden, dass es niemanden verwundern sollte, wenn jemand vegan lebt. Also warum eine Person oder sich selbst darauf beschränken?

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5 Comments

  • Frau von Farbe 17. August 2014 17:38

    Am besten finde ich dann immer die Frage, was man denn dann überhaupt noch essen könne. Weil es ja außer Käse und Fleisch nichts gibt -.- Da gucken dann immer alle ganz überrascht, was ich von Getreide über Nüsse bis Obst alles aufzähle.

  • ♥ Tanachi ♥ 17. August 2014 17:38

    Richtig toller Post! Ich ernähre mich weder vegan noch vegetarisch, aber ich finds toll, dass du mal mit den Vorurteilen aufräumst. Ich hatte das aber auch schon, dass ich teilweise runtergemacht wurde, weil ich Fleisch esse. Das ist schade, da es mir ehrlich gesagt egal ist, wie sich andere Menschen ernähren. Da sollte sich jemand anderes auch nicht bei mir einmischen. Aber ehrlich, das ist doch wirklich die Unterzahl, die einen 'ermahnen' und 'bekehren' will. Man sollte nicht über einen Kamm scheren (:

  • Nhi Le 17. August 2014 18:08

    Hallo Frau von Farbe!Ich kann genau nachvollziehen, was du meinst. Manchmal denke ich, dass es nicht mal etwas bringt etwas aufzuzählen, weil die Leute so krampfhaft meinen, Veganer_innen könnten nichts essen.Liebe Grüße!

  • Nhi Le 17. August 2014 18:10

    Hallo Tanachi!Es freut mich, dass du den Artikel magst. Schade, dass du so Erfahrungen machen musstest. Ich glaube ich wäre da sofort pissig gewesen. Manchmal passiert mir das ja sogar auch, aber wie du schon sagst und es auch im Artikel steht: nicht alle sind so und das ist gut so!

  • Trackback: Ve-Klassismus + Slamtext-Video – Nhi Le

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