Worüber schreib‘ ich hier eigentlich?

Worüber schreib‘ ich hier eigentlich?

Man nehme so etwas wie eine Schreibblockade, eine Portion Selbstzweifel und schon landet man bei der Frage nach Relevanz der eigenen Artikel und worüber man hier eigentlich etwas zusammen schreibt.


Wann immer es nicht mehr für das schlaue Zitat einer historischen Person reicht, bedient man sich an irgendwelchen Songs. Habt ihr schon mal Tinder-Bios gelesen? Dann wisst ihr wahrscheinlich am besten, was ich meine. Die Worte anderer scheinen perfekt auf die eigene Situation zu passen.

Alles wurde schon mal gesagt.

Dieses Gefühl habe ich in letzter Zeit oft, wenn ich anfange zu schreiben und dann genau so schnell wieder aufhöre. Das betrifft manchmal Slam-Texte, aber vor allem Blogeinträge. Besonders im Netz wurde jedes Thema schon von mehreren Seiten beleuchtet. Dann klappe ich den Laptop zu, weil ich mir denke, dass es den Leser*innen eh nichts bringt dieses und jenes zu lesen, wenn etwas ähnliches doch schon verfügbar ist.
Wahrscheinlich gefällt mir der Gedanken Wissenschaftlerin zu werden auch deshalb, weil ich dann forschen und etwas Neues herausfinden könnte oder prüfen würde, ob Altes noch anwendbar ist.

Ich hab den Anspruch irgendwas Neues zu bringen.

„Warum sollte es jemanden interessieren, wie ich selbst etwas auffasse und erlebe?“ schießt es mir dann durch den Kopf.

Was dieses Blog auszeichnet ist die Mischung aus Meinungsbeiträgen und „Erklär-Postings“. Meist geht es aber doch um meine eigene Perspektive. Klar, ich bin hier Bloggerin und keine Journalistin. In dem Zusammenhang frage ich mich, ob ich dann überhaupt etwas „Neues“ schaffen muss und kann. Ich schreibe für mich, in zig Notizbücher. Das sind Texte, die ich nie veröffentlichen werde. Das Blog ist aber zugänglich für alle. Leute sollen andere/neue Sichtweisen kennenlernen, die sie sonst nie erleben werden. Betroffene sollen sich wiederfinden und erkennen, dass sie mit (diskriminierenden) Erlebnissen nicht alleine da stehen und letztlich möchte ich nicht mit jedem Beitrag etwas beweisen oder lehren, sondern einfach etwas runterschreiben. Gerade bei dieser Form hinterfrage ich dann die Legitimität.

Aber Blogs sind doch eben genau dafür da, den selbst produzierten Content zu teilen und anderen zugänglich zu machen. Vielleicht muss ich nicht mal meine Ansprüche runterschrauben, sondern einfach meinen eigenen Fokus neu setzen.

Es ist mein Glück, dass das Blog nicht mein Job ist und ich nicht irgendein Advertorial annehmen muss, um die Miete zu zahlen. Beiträge, hinter denen ich nicht wirklich stehe, gibt es somit nicht. Es ist meine Entscheidung, ob ich jetzt eine ganze Blogreihe darüber bringe, wie ich die Entwicklung von Game of Thrones finde oder ob ich erkläre, was der Rassismus in Ostdeutschland mit PoC macht.

Na klar möchte ich gelesen und gehört werden, aber letztlich sollte ich meine Inhalte nicht vom Publikum abhängig machen. Weder im Netz, noch auf der Bühne.

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