Veganismus: Ich habe eine Soja-Allergie. Ich lebe vegan. Das funktioniert.

Veganismus: Ich habe eine Soja-Allergie. Ich lebe vegan. Das funktioniert.
Oh nee, was redet die denn da? Ist Soja als Veganer_in nicht essentiell? Nö, sage ich.

Seit der vierten Klasse laufe ich jeden Sommer mit triefender Nase und Zombie-Augen durch die Gegend. Grund dafür ist mein ausgeprägter Heuschnupfen. Damit ich nicht jeden Morgen den Pollenflug-Kalender checken muss, bin ich einfach auf jedes Allergen in der Tabelle allergisch. Juhu.
In den letzten beiden Jahren ging das Leid zurück, ich konnte sogar im Wald spazieren, ohne einen Familienpack Tempo mitschleppen zu müssen.
Erleichterung machte sich breit. So lange bis ich merkte, dass ich ständig krank war. 4 Monate am Stück war ich Ende 2014 erkältet. „Erkältet“ – denn nach gefühlt tausend Arztbesuchen stellte man fest, dass ich einfach genauso viele Lebensmittelallergien, wie Pollenallergien hatte, die ein Resultat aus letzterem sind. Und was steht auf der roten Liste? Grüne Äpfel, Haselnüsse, Mandeln und vor allem Soja.
Seit jeher vertrage ich keine Sojamilch und auch keinen Sojapudding. Alles andere ging problemlos, die Flüssigprodukte ersetzte ich einfach. Nach ein paar Untersuchungen wurde festgestellt, dass meine allergischen Reaktionen, die komplett einer Erkältung gleichen, unter anderem vom Sojaprodukt-Konsum stammen. Wenn ich also mal wieder ordentlich reingehauen habe folgen Halsschmerzen, verstopfte Nase, Husten und so weiter. Das ist zum Glück nicht immer so und kommt ganz auf die Menge an. Und ja – ich bin immer noch Veganerin.
Wenn ich Leuten erzähle, dass ich eine Soja-Allergie habe und dennoch vegan lebe, sind sie meist geschockt. Für die meisten geht Veganismus sowieso mit Verzicht einher, Soja ist das einzige Ersatzprodukt, was dann bekannt ist und plötzlich scheine ich mich nur noch von Obst und Gemüse zu ernähren (auf welches ich auch teilweise allergisch bin, lol). Dann erzähle ich aber, dass es mir gut geht, ich keine Mangelerscheinungen habe und immer noch aus einem großen Pool von Lebensmitteln wählen kann.
Und warum schreibe ich hier davon? Es gibt so viele Menschen, die den Veganismus ausprobieren wollen, aber mit sich kämpfen, da sie so viele Hürden sehen. Ganz vorn steht die Angst vor Einseitigkeit und dem Mangel an Produkten und Nährstoffen. Dass Veganismus kein Verzicht ist, versuchen täglich Foodblogs, vegane Feste und viele engagierte Menschen zu zeigen. Dass ich auch mit Soja-Allergie weiterhin vegan lebe, ist einer Mischung aus Konsequenz und Gewohnheit geschuldet. Auf tierische Produkte zu verzichten fällt mir leicht und ich hab nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt, auch wenn ich nicht mehr jeden Tag Tofu esse. Wenn es um den fleischigen Geschmack geht, dann gibt es ja auch noch Seitan, Lupine und Tempeh (was ich übrigens herrvoragend vertrage). Vegan zu leben, bedeutet nicht, ständig auf der Suche nach Ersatzprodukten für tierische Zutaten zu suchen. Und somit bekommt Soja nur noch eine kleine Bedeutung im Speiseplan.

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