Vegan Lifestyle : Interview mit Tattoo-Model und Veganerin Mel Riot.

Mel Riot kann locker als Ikone der Tattoo-Model-Szene bezeichnet werden. Sie ist erfolgreich und sympathisch. Stetig versorgt sie ihre Fans mit neuen Bildern und Infos, aber vor allem stärkt sie durch ihre Arbeit das Selbstbewusstsein ihrer AnhängerInnen, indem sie authentisch bleibt und mit kleinen Lebensweisheiten den Alltag schöner macht. Als Model sieht man sie nie nackt, einerseits, da sie über den ganzen Körper tätowiert ist und andererseits, da sie ihren Prinzipien treu bleibt und so ihre Vorbildfunktion verstärkt. Ich habe für euch ein Interview mit ihr geführt, das persönlicher und informativer nicht sein könnte.

Hallo liebe Mel. Danke, dass du dich bereit erklärt hast, meinen LeserInnen etwas über dich, das Modeln und deinen Lebensstil zu erzählen. Am Anfang die Standardfrage: Wie lang lebst du schon als Veganerin und was hat dich dazu bewegt?

Hallöchen. Ich beantworte dir und den Lesern gerne ein paar offene Fragen
Ich lebe nun schon über 13 Jahre vegetarisch und engagierte mich damals schon für Tierrechte, da war der Schritt zur veganen Ernährung quasi logisch. Es gibt ja unzählige Gründe dafür Vegan zu werden. In meinem Fall war es schlicht und einfach eine moralische Entscheidung. Die Schuld, dass fühlende Lebewesen für mich gequält oder getötet werden, will ich nicht auf meinen Schultern. Ich mag Tiere einfach. :3

Es wird oft gesagt, dass der Veganismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Die Motivation für den tierleidfreien Lifestyle ist oft unterschiedlich. Wie stehst du dazu, dass Frauenmagazine zum Beispiel mit veganen Diäten werben oder der Veganismus als coole Erscheinung verkauft wird?

Haha. Ohhhh, ich habe mich zunächst einmal fein zurück gelehnt und mir in Ruhe diese Veränderungen in der Gesellschaft/den Medien angeguckt und sehr, sehr viel darüber nachgedacht. Dann dachte ich, es sei eh nur eine kurze Modeerscheinung, aber seit vielen Jahren nun geht es voran. Ich bin froh darüber alles in allem. Jeder Hipster oder jede junge „ach so informierte“ und „hippe“ Neu-Mutti die eine Weile vegan lebt, rettet schließlich ein paar Leben damit, oder öffnet anderen Augen und Möglichkeiten, selbst wenn sie danach wieder zu alten Gewohnheiten zurückkehren. Und wenn ich bedenke, dass ich zu meinen vegan/vegetarischen Anfangszeiten Sojamilch noch bestellen musste in Reformhäusern, bin ich froh, dass man jetzt so gut wie alles in jedem Supermarkt um die Ecke bekommt. Die Menschen leben offener und bewusster momentan. Das ist doch immer gut, nicht?!

Stell dir vor du wärst Erzieherin in einem veganen Kindergarten. Was würdest du den kleinen angehenden TierrechtlerInnen vermitteln wollen?

Veganer Kindergarten = <3. Haha. Gute Frage. Ich würde ihnen Wissen vermitteln und Empathie. Kinder gehen eh ihren eigenen Weg, wenn sie größer und selbstbestimmter werden. Aber wenn sie eine tolerante, offene, liebevolle und vor allem empathische Basis haben, auf der sie ihr Leben aufbauen, kann man Hoffnung haben, dass sie nicht ignorant Dinge wie eigener Genuss beim Essen über das Leid von Lebewesen stellen. Abgesehen von den genannten Sachen, würde ich natürlich auch alles andere was sie brauchen und fördert, versuchen mitzugeben. 

Du lebst in Berlin, der veganen Hauptstadt Europas. Kannst du irgendwelche Hotspots nennen oder Orte, an denen du gerne bist und isst?

Natürlich Ich denke man genießt es immer am meisten dort zu speisen, wo ALLES komplett vegan ist. Da fühlt man sich am meisten wohl und verstanden und muss nicht auf Markierungen achten oder rumfragen, was denn heut vegan ist oder nicht. Daher kann ich euch das VUX (Torten-Café) wäääärmstens ans Herz legen. Für Fastfood: „Yoyos Foodworld“ und die Pizzeria: „Sfizy Veg“, ausserdem den „Ohlala Tartes Shop“, ein französisches Cafe. Mein liebstes Restaurant ist das „Viasko“ in Kreuzberg. Ansonsten sind ein paar meiner liebsten „veganer freundlichen“ Hotspots das „Goodies“, das „Wahrhaft Nahrhaft“, „Pizza Zeus“ und „Cupcakes Berlin“. Ach ich könnt euch noch soooo viel aufzählen, aber checkt doch einfach mal die APP „Happy Cow“. Die zeigt euch solche Sachen an und ihr findet schnell was in eurer Nähe

Wie empfindest du das Angebot an veganen Lebensmitteln in herkömmlichen Supermärkten? Was würdest du Menschen raten, die tierleidfrei leben möchten, aber vielleicht einen geringeren Zugang zu einem großen Angebot haben?

Das Angebot ist schon großartig (wenn man die Fortschritte der letzten Jahre bedenkt). Joghurt, verschiedene Sorten Sojamilch, Hafermilch, Reismilch, Tofu, Pudding und so weiter. Plus die ganzen Grundnahrungsmitteln wie Reis, Nudeln, Obst, Gemüse etc.. ALLES Mögliche gibt es in den Supermärkten und das sogar in meiner pups-kleinen Heimatstadt Finsterwalde (Niederlausitz).
Ich würde den Leuten mit erschwertem Zugang, oder auch Einsteigern, raten sich nicht verrückt machen zu lassen. Es dauert eine Weile alles heraus zu finden. Bloß nicht frustriert werden. Die meisten Rezepte lassen sich quasi „veganisieren“ oder ihr macht einfache vegane Rezepte wie eine Gemüse-Reispfanne oder Spaghetti mit Tomatensoße, oder Pasta mit Spinatsoße, Pellkartoffeln mit „Quark“ (ich nehme dazu einfach den Natur-SOJA-Joghurt), Gemüse-Tofuspieße zum Grillen etc.
Man findet zudem heutzutage alle offenen Fragen zur Ernährung, Rezepten und andere Tipps im Internet oder ihr sucht euch einfach nette Veganer und begleitet sie beim Einkaufen oder kocht zusammen. Das macht es einfacher. Kauft euch die speziellen Sachen wie Käse im Internet (z.B. auf veganwonderland.de) oder einfach auf Vorrat, wenn ihr mal in einer Stadt wie Berlin seid. Meine Freunde und ich haben über Jahre, einmal im Jahr, groß Sojaprodukte in Tschechien eingekauft.

In der Szene bist du eines der bekanntesten, wenn nicht sogar das bekannteste vegane Tattoo-Model. Ist wenigstens die Tinte beim Tätowierer eine Sache, bei der mensch nicht auf tierische Bestandteile achten muss?

Oho…das klingt gut. ^^ Ich weiß nicht genau, ob das wirklich so ist…aber ich würde mich freuen. Zum Thema Tätowieren und Tätowierer: schwierige Frage! Jeder Veganer stößt irgendwann an seine/ihre persönlichen Grenzen, denn 100%vegan leben ist schwierig oder fast unmöglich. Man glaubt gar nicht was alles an Tieren getestet wird und zeitweise kommt man gar nicht hinterher welche coole sympathische kleine vegane Firma jetzt schon wieder von einem großen (Arschloch-)Konzern aufgekauft wurde (der irgendwo wiederum Tierversuche unterstützt oder anders ausbeutet). Schlussendlich muss jeder Veganer selber wissen, wo seine/ihre Grenzen liegen, also wie weit man selbst gehen mag. So kenne ich z.B. Veganer die Second-Hand-Leder tragen oder welche die auf alte Fahrräder in Originalzustand stehen und diese dann trotz Ledersattel fahren. Ich hab professionelle Skater im Bekanntenkreis, die bisher noch auf der Suche sind nach ausreichend guten veganen Schuhen und daher noch Leder tragen. Es ist halt nicht immer einfach. Ich versuch alles um so weit wie möglich Leid zu vermeiden und da ich es eklig finde Haut zu tragen, würde ich nie Lederprodukte tragen. Findet euren eigenen Weg.
Beim Tätowieren ist also die Frage, geht ihr zu Tätowierern die tierleidfrei arbeiten und habt dafür vielleicht nicht 100%ig den Stil, den ihr anstrebt oder „drückt ihr da quasi mal die veganen Augen zu“?! Glück habt ihr natürlich, wenn ihr einen veganen Künstler findet, der auch noch genau euren favorisierten Stil macht. 😀 Guckt euch mal den Thomas Burkhardt an, ein Freund von mir und toller Künstler

 
Du als Aktivistin engagierst dich nicht nur für Tierrechte und Antifaschismus, sondern auch gegen Sexismus und versuchst via sozialer Netzwerke das Selbstbewusstsein deiner Fans zu stärken. Die Modelwelt ist allerdings oberflächlich und keineswegs wird mensch dort von Sexismus verschont. Wie gehst du damit um?
Oh man. Du glaubst gar nicht, wie es mich freut, dass meine Message scheinbar ankommt bei ein paar Leuten. 😀 Yayyy!!!!!!!!!! Das ist tatsächlich einer der Gründe warum ich das Modeln angefangen hab – ich bin klein, hab eine relativ weibliche Figur und bin jetz (ich sag mal so) nicht „herausragend schön“. Ich trage oft kein oder kaum Make-up und renne lumpig herum, also Klamotten-mässig und ich wollte beweisen dass man mit etwas Talent, Professionalität und viel Ehrgeiz trotzdem was erreichen kann und das ist mir gelungen. Ich hoffte damit zu erreichen, dass auch andere Mädels (Jungs/Queers/whatever) sich bestärkt fühlen, einfach sie selbst zu sein und zu dem zu stehen was sie sind. Immer wenn ich genervt war und aufhören wollte und dies ankündigte, kamen Mädels auf mich zu und ich wurde überschüttet mit Mails in denen stand, ich gebe ihnen so viel Kraft und Selbstvertrauen, sodass ich dann doch weiter machte.

Sexismus und Lookismus ist unglaublich nervig und anstrengend (egal wo) und einer der Gründe warum ich schon öfter mal aufhören wollte mit diesem Job. Es ist schwer, damit umzugehen, wenn Leute einem auf die Art begegnen, denn man möchte ja trotzdem professionell und ruhig bleiben, obwohl mich solche Sachen einfach nur wütend machen. Außerdem ist es auch nicht leicht, seinen eigenen Weg zu finden, sich und seine Arbeiten zu präsentieren, ohne sich selbst irgendwie zu sexistisch provozierend zu präsentieren. Für mich ist es möglicherweise nur ein: „zu mir/meiner Figur/meinem Stil, … stehen“ – für andere ist es ein sexistische/lookistische Fotografie einer Frau. Viele sehen da nur schwarz oder weiß, dabei gibt es viele Sichtweisen des Ganzen.
Ich denke ein Anfang ist es schon mal, sich als Model nicht stääääääändig überall nackig ablichten zu lassen und wenn man auch das mal ausprobieren will oder eben auch zeigen möchte, dass man prinzipiell auch für Unterwäsche Werbung machen könnte, dann sollte das Ganze professionell ablaufen und stilvoll aussehen. Obwohl auch „stilvoll“ wieder Definitionssache und Geschmackssache ist. 😉 Haha. Auch hier kann man denke sagen: Geht euren Weg und macht, womit ihr euch wohl fühlt. Jeder schießt mal übers Ziel hinaus und macht vielleicht Fehler. Shit happens.
Macht aber nie etwas, was euch ein schlechtes Bauchgefühl gibt. Lasst euch nie zu etwas drängen. Und scheißt auf Hater, die Mist über euch und/oder euer Aussehen labern – das haben wir alle in dem Job durch. Gegen Sexismus ! Gegen Lookismus ! Gegen Diskriminierung – überall ! Pro bunt und individuelle (Wohlfühl-)Freiheit !

Gibt es Klienten, für die du gerne arbeiten würdest oder Kampagnen, welche auf deine Unterstützung zählen können?

Ich würde gerne mehr für vegane, Straight-edge Firmen, Skateboardfirmen und ähnliches arbeiten. Einfach Sachen, die zu mir passen und bei denen ich mich wohl fühlen würde. Gerne auch kleine Firmen oder Projekte. Meldet euch!

Erzähl doch zum Schluss bitte, was du gerne isst, wenn du viel Zeit zum Kochen hast und was du dir auf stressigen Tagen aufs Brot legst.

Als ich her gezogen bin, war ich erst einmal nuuuuuur aus zum Essen. Haha. Teilweise wusste ich gar nicht mehr, wann ich das letzte mal wirklich gekocht habe. 😀 Nun habe ich jemanden bei mir wohnen momentan und so koche ich fast jeden Tag einmal warm und das abwechslungsreich und gesund. Ich liebe kochen und kann es denke auch ganz gut. Ich hoffe es zumindest 😀 Am liebsten esse ich Kuchen und an stressigen Tagen, wie heute, gibt’s dann halt mal eine Packung Taifun Mini-Wiener. Aber meistens nehme ich mir die Zeit fürs Kochen und Essen. Das ist mir wichtig.

Danke <3

Dank dir. Es hat mir wirklich Spass gemacht Liebe Grüße an Alle !!!!
Mel Riot

www.facebook.com/mel.riot
Instagram : mel_riot

Alle Fotorechte gehören Mel Riot. Wenn Veganer geschrieben wurde, so meinen wir natürlich jede Person, unabhängig des Geschlecht.

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