Ve-Klassismus + Slamtext-Video

Ve-Klassismus + Slamtext-Video

In diesem Artikel soll das Klassismus-Problem vor allem innerhalb des Veganismus angerissen werden. Zum Schluss gibt es dann noch einen neuen Slam-Text passend zum Thema.

Über Veganismus lässt sich viel streiten. Ich könnte euch zum Beispiel davon erzählen, wie ich regelmäßig in der Facebook-Grupe „Ich hab was VEGANES im Supermakrt gefunden“ aufgrund der Kommentarspalte durchdrehen könnte, einfach weil die Bandbreite an naiv/antiamerikanistischen/rassistischen/dämlichen Bemerkungen so groß ist. Es könnte auch darum gehen, dass die vegane Szene ein massives Problem mit Rechtsoffenheit, Esoterik und Verschwörungstheorien hat.

Stattdessen geht es mir um ein Phänomen, das scheinbar viel salonfähiger ist und somit auch häufiger daher kommt. Es ist das Judgen anderer Veganer*innen aufgrund ihrer „ungesunden“ Lebensmittel-Auswahl.

Zu diesem Blogeintrag bewog es mich, als es einigen im Netz erneut darum ging, Clean Eating als die Ernährungsform hochzujubeln. Hierbei geht es darum, möglichst keine industriell verarbeiteten Lebensmitel zu sich zu nehmen und stattdessen auf möglichst „natürliches“ Essen zu setzen. Soweit okay, so lange jede*r für sich selbst entscheidet, gibt es keinen Streitpunkt. Veganismus und Clean Eating schließen sich nicht aus, Veganismus hingegen schließt Clean Eating nicht ein und das haben so manche wohl nicht verstanden. Denn wer vegan lebt, verzichtet grundlegend auf tierische Produkte. In welchem Maße diese verarbeitet sind, spielt erstmal keine Rolle. Dass vegan leben nicht automatisch gesund essen bedeutet, habe ich bereits hier geschrieben.

Dennoch wird fröhlich weiter gejudget, wenn „ungesundes“ Essen auf den Tisch kommt. Das ist einerseits nervig, kann aber vor allem auch klassistisch, also abwertend oder sogar diskriminierend aufgrund von sozialen Positionen sein. Denn:

Nicht jede*r kann sich teure Superfoods oder Bio-Lebensmittel leisten.
Es stimmt schon, dass vegane Kost nur aus Obst und Gemüse bestehend günstig sein kann, doch manchmal soll es eben darüber hinausgehen und Ersatzprodukte sind nicht immer billig. Noch teurer sind Superfoods, deren Wirkung umstritten ist und auch Bio-Lebensmittel sind im Durchschnitt nicht erschwinglich.

Nicht jede*r hat die Zeit (und Möglichkeit), Essen vorzubereiten und zu kochen.
Zugegeben: Wenn ich unterwegs bin, dann muss ich vorher planen, was ich an Versorgung mitnehme. Vielen fehlt es aber an Zeit dazu. Wenn ich an meine Freund*innen denke, die acht Stunden lang bspw. im Büro sitzen und dann total geschafft von der Arbeit kommen, dann weiß ich, dass man nicht noch zusätzlich eine Stunde lang in der Küche stehen mag, um vorzukochen. Letztlich ist das auch eine Frage der Möglichkeiten. Denn um Essen vorzubereiten braucht es mindestens eine Küche, Geräte, Kühlschrank, Aufbewahrungsboxen und co. Auf die Vorbereitung und eigentliche Arbeitszeit muss auch die Nachbereitung, sprich das Aufräumen und Putzen geschlagen werden.
Hier ist das Predigen des Clean Eating-Konzepts besonders unangebracht, denn so viele Menschen sind einfach auf verarbeitete Speisen angewiesen. Die oben genannten Gründe schließen ja noch nicht mal Faktoren wie (körperliche) Beeinträchtigungen, die auch eine Ursache fürs „Nicht-selber-zubereiten“, sein können.

Ich freue mich immer wieder, wenn Menschen sich dazu entscheiden vegan zu leben und weiß, dass in meiner Lebenssituation der Veganismus leicht umzusetzen ist. Viele Start-Probleme lösen sich schnell auf, aber darf dabei nicht vergessen werden, dass nicht jede*r in der gleichen Ausgansposition ist und es viele Faktoren gibt, warum man sich nicht clean und/oder vegan ernährt.


Passend zum Thema „Vegan-Polizei“, „Fleisch-Polizei“ und unnötig militantem Überredungsdrang gibt es übrigens ein neues Slam-Video von mir.
Viel Spaß beim Schauen!

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