Vietnam-Reisetagebuch Pt.I – Nur 5 Kg Schokolade.

Vietnam-Reisetagebuch Pt.I – Nur 5 Kg Schokolade.
Im September flog ich nach Vietnam. Hier kommt der erste Teil meines Reisetagebuchs. Lest nach dem Sprung, wie die Vorbereitungen für die Reise liefen.

 „Am besten ist es, wenn du einen Tag vor dem Flug nochmal heim kommst und ich dir ein paar Geschenke mitgebe“ sagt mein Vater und der ganze Schlamassel fängt an.
In meinem Leben war ich zweimal in Vietnam, an das erste Mal kann ich mich nicht erinnern, da ich drei war. Das zweite Mal mit 12 ist auch sehr verschwommen. Nun war es also so weit. 2015, ich sollte alleine zu den Großeltern. Schon im Vorfeld war mir klar, dass ich nicht der knuffige Enkelinnen-Packesel sein wollte, doch gegen den Willen meines Vaters konnte ich nicht ankommen.
In Leipzig packe ich meine Sachen in einen viel zu kleinen Koffer, mit dem Wissen in Thüringen umzupacken. Als es dann so weit ist, stehe ich gespannt vor dem Wohnzimmertisch. Ein Wasserkocher, ein Rucksack, Haarkuren, Haarfarbe, ein Paar Turnschuhe, Make Up, Creme, Lehrbücher. Ich frage mich, ob irgendwo eine Drogerie pleiteging, denn anders kann man sich die Unmengen an Kosmetika nicht erklären. Das hier ist keine Urlaubsvorbereitung, es ist die Umwandlung zum Ein-Frau-Logistik-Unternehmen.Doch die Geschenke passen nicht alle in den Koffer, aber da ist ja auch kein Problem. Es gibt ja auch noch Handgepäck und schließlich soll jedes Eckchen gefüllt werden, denn wenn schon jemand nach Vietnam fliegt, kann man auch ein paar Sachen mitschicken. Ich stelle mir vor, wie sich meine Familie in Vietnam aufreiht, ich all meine Taschen öffne und für jeden ein Geschenk habe. Niemand wird leer ausgehen. Oprah-Style.

Mein Vater meint, es sei das Beste, einen Rollkoffer UND meinen Rucksack mitzunehmen. Ich meine, dass das nicht ginge, da man nur ein Gepäckstück mit an Bord nehmen dürfe. Nach einer Diskussion suche ich die Seite der Airline im Netz aus und halte ihm die Bestimmung unter die Nase.

Schweigen.
„Das gilt nur für Europäer“ sagt er und ich guckte ihn verdattert an.

Zielstrebig nimmt er meine Tasche und stopft die restlichen Geschenke rein. Hierbei handelt es sich um sage und schreibe 5kg deutscher Süßigkeiten. 3 Schachteln Raffaello, 8 Tafeln Ritter Sport, 15 Tafeln Milka, 3 Beutel Merci Mini, 2 Packungen Merci, 3 Packungen Belgische Meeresfrüchte.

„Und du bist dir sicher, dass das geht?“
„Na klar, ich bin ja dein Papa.“

Seiner Argumentationslogik kann ich nicht ganz folgen, aber was nützt es denn auch, dagegen ankämpfen zu wollen. Die Süßigkeiten müssen mit, komme was wolle. Nur gut, dass ich Veganerin bin, denn sonst, hätte ich mir im Flieger wahrscheinlich alle 3 Packungen Raffaello reingeschoben. Mein guter Süßgikeiten-Wille beruhigt die Situation, den Rollkoffer will er mir aber immer noch gerne andrehen, schließlich sei er sehr schick und biete mehr Stauraum. An schick ist eigentlich gar nicht zu denken. Es stehen 11 Stunden Flug bevor und mein Plan ist es eigentlich in Fleece-Jogginghose und Pullover möglichst bequem zu reisen. Also lege ich den Reiseflausch raus, schließe den Koffer und stell ihn vor die Tür. Fertig zur Abreise.

Beste Handy-Qualität tho. Und keine Sorge. Papa ist super.

10 Stunden später sitze ich mit Papa im Auto gen Frankfurt am Main. Die Fahrt vergeht schneller als gedacht. Wir stehen am Gepäck-Fließband und geben meinen Koffer auf, nur das Handgepäck bleibt. Es ist Zeit Abschied zu nehmen und sich noch ein paar gute Ratschläge geben zu lassen. Plötzlich mischt sich eine Frau vom Barclay-Card-Stand ein.

„Guten Tag, möchten Sie eine Barclay Card.“
„Nein danke, ich muss gleich zum Gate.“
„Na aber ihr Ehemann vielleicht?“

Jetzt wird der eigene Vater auch noch zum Ehemann gemacht. Wir verneinen nochmals und schieben uns an ihr vorbei. Umarmung. Letzte Tipps. Noch eine Umarmung. Dann drückt er mir Geld in die Hand.

„Achso. Bitte kauf doch noch zwei große Dosen Nivea-Creme für meine besten Freundinnen im Duty Free Shop.“
Wortlos greife ich nach den 10€. Wenig später steuere ich mit 7 Kg Handgepäck auf dem Rücken, 5 Kg Schokolade und Süßkram und ganz neu 1 Kg Nivea-Creme in Dosen auf die Kontrolle zu.Hätte ich mich doch nur für den Rollkoffer entschieden.

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