Sonntagsworte: Über unempathische Troll-Kommentare.

Es ist immer wieder das Gleiche: Ich öffne einen Artikel im Netz und scrolle sofort zu den Kommentaren. Das ist eigentlich die dümmste Handlung, die man im Internet durchziehen kann, da die Kommentarspalten stets voller Trolle und Besserwisser_innen sind. Wer mich hier vor allem aufregt, lest ihr nach dem Sprung.

Heute soll es um Menschen gehen, die in Kommentarspalten meinen, über Schicksale oder Situationen urteilen zu müssen, in die sie sich niemals reinversetzen können. Das sind Männer, die über Frauen, weiße die über nicht-weiße Menschen oder auch heterosexuelle Menschen, die über nicht-heterosexuelle Menschen urteilen. Die hier beschriebenen Trolle sind also meist unter Artikeln über Sexismus, Rassismus und Diskriminierung zu finden.
Nehmen wir folgendes Beispiel: Auf trollbar.de fand ich diesen Artikel über eine schwarze Frau, die ihrem Sohn die Locken abschneidet, um weniger rassistischen Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Sofort kommentiert eine Person auf unempathischste Art und Weise, dass Locken doch schön seien und doch jede_r Locken möge und so weiter. 
Was stört mich nun daran?
Menschen die derartige Kommentare hinterlassen können sich nicht vorstellen, wie beschriebener Rassismus, Diskrimierung oder Sexismus wirkt, einfach weil sie nicht davon betroffen sind. Dennoch nehmen sie sich das Recht, einfach ihren Senf dazuzugeben und urteilen bzw. verurteilen die Opfer. Der Rassismus im oben genannten Beispiel wird nicht wahrgenommen oder relativiert oder dem Opfer wird die Schuld selbst zugeschoben, wie es oft bei Sexismus-Beispielen der Fall ist. 
Oftmals wird der eigene Kommentar als Kritik abgetan und das Opfer als nicht kritikfähig abgestempelt, obwohl der Kommentator oder die Kommentatorin selbst nicht von der eigenen Meinung abrücken will.
Als ich vor einiger Zeit über Diskriminerung aufgrund meines Aussehens oder nervigen Kommentaren schrieb, traf auch ich auf einen ziemlich üblen Troll. Erst wurde mir eine niedrige Schmerzensgreze vorgeworfen und dann ging es auch noch rassistisch zu.
Am meisten regt es mich auf, dass viele Autor_innen selbst schreiben, dass sie “ das gar nicht nachvollziehen können, ABER“ und dann einfach auf ihre Haltung pochen. Egal, wie nett man versucht es zu erklären oder egal wie sicher es in dem Artikel beschrieben wurde, sie rücken nicht von ihrer Meinung ab und hier ist nicht mehr die Rede vom nachvollziehen können, sondern vom nachvollziehen wollen.
Ganz zum Schluss fühlen sich derartige Kommentator_innen dann noch angegriffen oder einfach ertappt und schlagen mit Beleidigungen zurück, so wie es mir bei diesen Buzzfeed Videos aufgefallen ist. In verschiedenen Episoden wurde humorvoll gezeigt, wie es wäre, wenn asiatische, schwarze und latein-amerikanische Menschen, Dinge sagen würden, die weiße Menschen von sich geben. Diese Videos wurden gemacht, um aufzuzeigen, wie diskriminierend und einfach nervig derartige Sprüche sind und ja, sie kommen von priviligierten Menschen, die solchen Kommentaren nicht ausgesetzt sind. Sofort versammelten sich verständnislose User_innen unter dem Video und fühlten sich gekränkt.

Das von mir beschriebene Phänomen kritisiere ich also also aus folgenden Gründen:
1) Menschen kommentieren und bewerten Dinge, obwohl sie sich in derartige Situationen nicht reinversetzen können, da sie solchen Ressentiments nicht ausgesetzt sind.
2) Die Kommentare nehmen die Probleme der Opfer nicht ernst oder schieben die Schuld auf die Opfer selbst.

3) Das Vorhandensein von eigenen Privilegien wird ignoriert.

Ich hoffe, dass ich ausdrücken konnte, was ich meine. Und übrigens: Selbst wenn man Kommentarspalten ab sofort meidet, so heißt es ja nicht, dass es diese Kommentare nicht auch außerhalb des Internets gibt.

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