Sonntagsworte: Sprich dich aus.

Weil Schweigen meistens wirklich nichtssagend ist.
 
Ehrlichkeit ist eine Eigenschaft, die ich enorm an Menschen schätze. Das mag blöd klingen, denn niemand mag gerne belogen werden, aber ich meine diese Art von Ehrlichkeit, bei der man weiß, woran man ist. Nichts nervt mehr, als mutmaßliche Konflikte, die sich scheinbar im Nichts verlaufen, weil sich niemand so richtig traut, ein Problem anzusprechen.

Und dann gibt besonders diese Situationen. Nach Streits. Vor Streits. Abseits davon.
A: Bedrückt dich etwas? Stört dich etwas?
B: Nein, nein. Es ist alles in Ordnung.
Und natürlich ist für B nichts in Ordnung, aber man will es aus so vielen Gründen einfach nicht aussprechen. Ganz oben wäre der Gedanke, dass der Gegenüber doch von alleine merken müsste, dass nicht alles okay ist. Da kennt man sich so lange, fühlt sich vertraut und verstanden, also muss doch in einer so aufgeladenen Situation ein bisschen Erkenntnis aufkommen, oder?
Falscher Stolz mischt sich mit Enttäuschung und der Erwartung, dass der andere endlich merkt, was hier passiert.
Es vergeht ein bisschen Zeit und der Streit ist verlaufen. Für den einen ist ja „alles in Ordnung“ und der andere bekommt Zweifel, denn der Frust blieb unbemerkt. Die Enttäuschung schwappt in die verschiedensten Bereiche und das alles, weil man etwas mit sich rumschleppt, das zu offensichtlich scheint, um es auch noch anzusprechen.
Aber eigentlich hätte das alles ja nicht sein müssen.
Hätte man nach dem „Bedrückt dich etwas?“ oder jeder anderen beliebigen Frage nur mal ehrlich geantwortet und zugegeben, dass man sich an etwas stört. Denn nur das wäre dem anderen und auch sich gegenüber fair. Nur scheint es da riesige Barrieren im Kopf zu geben, die uns daran hindern endlich mal das auszusprechen, was uns schon die ganze Zeit belastet. Und mit Aussprechen meine ich nicht kryptische Umschreibungen oder Andeutungen, weil der andere es ja auch so merken muss – nein – ich meine klipp und klare Äußerungen. Tut man das nicht, ist es nämlich im Nachhinein auch für Vorwürfe zu spät.
Foto: Laura Callsen

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