Sonntagsworte: Sexismus auf der Straße.

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht von einem Mann dumm von der Seite angemacht werde. Über Ohnmachtsgefühle, Wut und den Gedanken sich endlich mal wehren zu müssen.

Ich – laufe zur Straßenbahn und merke, dass ein Typ auf meiner Höhe läuft. Es ist mir unangenehm, doch ich versuche, mir keine Paranoia anzugewöhnen und laufe weiter. Er – labert mich von der Seite an und fragt mich nach der Uhrzeit und als ich mich zu ihm drehe und sie ihm sagen will ( aus Höflichkeit eben), macht er Kuss – und Leckgeräusche und flüstert irgendwas in meine Richtung. Ich drehe mich rum und stammel ein „Lassen Sie das!“, doch das ist auch das höchste der Gefühle. Bedröppelt laufe ich in Richtung Haltestellte und fühle mich scheußlich.
In solchen Situtionen frage ich mich dann, warum ich nicht bestimmt und deutlich etwas kontere. Warum fällt mir kein schlauer Spruch oder sogar eine Beleidigung ein? Diese Momente machen aus mir ein hilfloses Mädchen und lassen an meinem Selbstbewusstsein zweifeln, was zeitgleich gar nicht existent scheint. Sexismus auf der Straße begegnet mir und sicher vielen anderen Mädchen immer wieder. Männer, die beim vorbei gehen anzügliche Geräusche oder Bewegungen machen, einen doofen Spruch vom Stapel lassen oder dir hinterher laufen. 
Irgendwie sind solche Geschehenisse mittlerweile normal, ich hab mich ein bisschen dran gewöhnt und genau das ist das Schlimme daran. Darf es normal sein, dass man sich im Alltag, ganz direkt auf der Straße immer wieder mit solchen Vorkommnissen auseinander setzen muss?
Heftig wird es dann, wenn man sich selbst schuldig fühlt und ich habe mich dabei ertappt, wie ich mich mit Selbstvorwürfen konfrontiert habe. Die gingen dann in Richtung: „Vielleicht sollte ich andere Kleidung tragen.“, „Ist doch meine Schuld, wenn ich mich nicht laut zur Wehr setze“ usw. Sowas ist allerdings Quatsch, denn es liegt nicht an mir, wenn jemand dumme Sprüche reißt und ein Denken in diese Richtung ist wohl ein trauriges Resultat aus der rape culture. Nicht die Opfer sollten ihr Verhalten ändern, sondern den Tätern sollte gehörig die Meinung gegeigt werden.
Manchmal, da habe ich keine Kraft etwas zu sagen oder ich bin zu schockiert, um etwas Kluges rauszubringen. Dann überlegt man zwischen etwas sagen und ausgelacht werden oder nichts sagen und sich schlecht fühlen. Überhaupt werde ich dann wütend, erst Wut aufbringen zu müssen, bis solche Kommentare eingedämmt sind. Mit meiner Schwester hatte ich allerdings ein langes Gespräch darüber und konnte folgende wertvolle Tipps für mich mitnehmen:

1) Es ist nicht meine Schuld, wenn ich dumm von der Seite angemacht werde. Ich darf mir keine Selbstvorwürfe machen.

2) In besagten Situationen hilft es oft schon, wenn man bestimmt dem Gegenüber in die Augen schaut und laut wird.

3) Im Notfall muss man sich an die Mitmenschen wenden und sie direkt ansprechen. Ein „Sie da mit der blauen Jacke“ ist besser als „Sie da“.

4) Schwere Handtaschen sind manchmal zu mehr einsetzbar, als zum Transport von Dingen. 
Auch wenn es belastend ist, sich mit diesem Thema auseinander setzen zu müssen, so hilft es vielleicht einigen Frauen* zu lesen, dass sie nicht als einzige derartige Ohnmachtsgefühle haben und die vier Tipps, können ja doch schon einiges reißen.
<3

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6 Comments

  • Artea 1. Juni 2014 15:39

    das Thema kotzt mich so an (sorry für den Ausdruck)
    Ich finde es schlimm, wenn junge Frauen so durch die Straßen laufen müssen, am besten noch mit Vorwurf von Außerhalb ("ja, sie hatte ja auch einen kurzen Rock an, sie legt es ja drauf an!)

    Statt Frauen zu sagen, dass sie nicht im kurzen Rock abends heimlaufen sollen, sollte man lieber gewissen Männern (nicht allen) mal beibringen, dass es nicht charmant oder süß ist, eine Frau blöd anzulabern, zu pfeifen oder "eieiei" oder sonstige Geräusche zu machen. Oder kennst du eine Frau, die ihren Freund kennen gelernt hat, weil er ihr vom Auto aus ein "Uiii Süüüßeee" hinterher gejault hat? Ich meine, was soll das? -.-

    Ich bemühe mich immer, dann nen blöden Spruch zu drücken, damit die merken, dass es so nicht geht und auch nicht lustig ist. Muss aber dazu sagen, mir passiert sowas nicht soo oft und auch eher tagsüber und nicht abends. Abends hätte ich bestimmt keinen Mut dazu.

  • Ann-Kathrin Naase 1. Juni 2014 22:14

    Das was du erlebt hast ist ja echt ätzend! Ich wohne nun auf dem Dorf und habe das selber noch nie so mitbekommen, kann aber denke ich nachvollziehen, wie scheiße das ist!
    Solche Leute haben wirklich einen mit der Handtasche verdient!!

    Liebe Grüße Anki
    vom bilderlabor.blogspot.de

  • Lina 2. Juni 2014 11:17

    Ich habe deinen Post bei Heldenstadt gesehen 🙂
    Mir ist sowas auch schon oft passiert, teilweise wurde ich sogar angegrapscht (!), auf der Rolltreppe, in der Straßenbahn, auf nem Straßenfest…
    In allen Fällen waren viele Leute anwesend, in keinem Fall hat jemand was unternommen (außer das Mal in der Straßenbahn, als das Mädel, neben das ich mich dann gesetzt hatte, den beiden Jungs beim Aussteigen als die mich nochmal am Knie angefasst haben, ordentlich eine mitgegeben hat – gleichzeitig mit mir).
    Weil ich das schon öfter erlebt habe, ist meine Reaktion meistens schon vorprogrammiert. Ich schrei denen dann Schimpfworte entgegen, brüll sie an, dass sie mich nicht anfassen sollen, schlag die Hand weg, zeig den Mittelfinger direkt ins Gesicht, was mir dann eben so einfällt. Oft sind die dann so erschrocken dass sich jemand wehrt, dass sie gar nicht zurückschlagen.
    (Zitat eines Vaters, der mit seinem 15-jährigen Sohn in Hamburg auf nem Straßenfest war und mich an den Oberschenkel gefasst hat -ich hab ihn zurückgeschubst und voll ins Gesicht geschrien "Fass mich nicht an du Wichser"- "Hey, hey, reg dich doch nicht so auf". Super Vorbild, was er seinem Sohn da abgibt)
    Aber ich verstehe, dass man in so einer Situation erstmal verschreckt und sprachlos ist… Ist allerdings eine reine Gewöhnungssache, wie man dann reagiert – bei mir zumindest.
    Irgendwo habe ich neulich einen Tweet gelesen, der sinngemäß hieß "Wir schicken Frauen in Selbstverteidigungskurse, anstatt Tätern beizubringen, sich zivilisiert zu verhalten".
    Sehr lesenwert dazu auch bei kleinerdrei: http://kleinerdrei.org/2014/05/yesallwomen/, ein Artikel von Juliane Leopold zu dem aktuellen Thema.

  • Nhi Le 2. Juni 2014 11:29

    Hallo Artea!

    Schon okay, mich kotzt das auch an, denn für solche Umstände muss man keine Beschönigung finden. Ich verstehe genau, was du meinst und teile das zu 100%. Das meine ich auch mit dem Opfer-Täter-Umgang.
    Respekt, dass du einen Spruch rausbekommst, das nehme ich mir ab jetzt auch vor. Schade schon wieder, dass man das als "große Tat" ansehen muss, wäre doch besser, wenn man gar nicht erst aufmucken müsste, aber das ist wenigstens die richtige Richtung.

    Liebe Grüße!

  • Nhi Le 2. Juni 2014 11:31

    Hallo Anki!

    Gut, dass du sowas noch nicht erlebt hast – hoffentlich bleibt dir das auch erspart. In Zukunft werde ich vielleicht auch von dem Move mit der Handtasche Gebrauch machen ( wenn ich es mir traue). Vielleicht reichen aber auch ein paar laute Worte aus.

    Liebe Grüße!

  • Nhi Le 2. Juni 2014 11:38

    Hey Lina!

    Einserseits voll gut, dass du dich immer gleich wehrst, andererseits schade, dass du schon so oft in solchen Situationen gesteckt hast, dass sich die Abwehr schon automatisiert hat.
    Ich bewundere dich dafür, dass du dir nichts gefallen lässt und mit deinem Kommentar sogar noch andere Menschen ermutigst – mich eingeschlossen.

    Das mit dem Vater in Hamburg ist mal wieder ein Paradebeispiel dafür, dass schon den Jüngsten gezeigt wird, dass es "normal" ist, wenn solche Sprüche geklopft werden – voll traurig.

    Ich danke dir für den Link und wir sehen uns im Seminar c:

    Liebe Grüße!

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