Sonntagsworte: Geschlechterrollen auf der Chips-Packung.

„Darf ich auch eine Blumenkrone aufsetzen?“ fragt mein kleiner Bruder und ich nicke energisch. „Alle dürfen das!“ „Oh, aber sie ist pink. Ich mag auch gerne wie eine Prinzessin sein, aber ich dachte das ist nicht okay.“ Mein Bruder schaut traurig und ich werde es auch.

Ihr müsst wissen, dass mein kleiner Bruder erst vier Jahre alt ist. Durch das Fernsehen, Werbung und vielleicht auch schon wegen seiner Freund_innen im Kindergarten, hat er dieses bizarre Geschlechterrollen-Bild im Kopf. Von kleinauf wird dir erzählt, dass Pink für die Mädchen sei und Blau für Jungs. Dazwischen gibt es nichts. Dabei ist das ja ziemlicher Quatsch, da vor einiger Zeit Rosa, als kleines Rot, noch für die Baby-Jungen bestimmt war usw. Das kann man hier ganz gut nachlesen. Im heutigen Beitrag möchte ich einen Teil näher beleuchten: Der Transport von Geschlechterrollen durch Produkte und Werbung.
Die Fee auf dem Tee und der Pirat auf der Trinkflasche
An sich wurde schon viel dazu geschrieben, aber das ändert ja nichts daran, dass diese Farbe nach Geschlecht Aufteilung weiterhin aktuelle bleibt. Es kommt mir eher so vor, als würden Produkte aus jeglichen Kategorien auf diese Art und Weise vermarktet werden. Jungs sollen sich in action-reichen Spielen wiederfinden, kämpfen als Pirat, mit Waffen oder retten die Welt. Bestimmte Eigenschaften wie Mut, Neugier oder Abenteuerlust werden hier also nur Männern zugeschrieben. Den Mädchen wird nicht mehr als eine Fee oder eine Prinzessin zugetraut. Klar, alles wofür sich ein Mädchen interessiert ist ja ihr Aussehen, Mode oder wie man dem Aussehen und Mode anderen Jungs gefallen kann.

  
Lego ist ganz vorn dabei
Lego war schon immer ein tolles Spielzeug und ist auch heute noch in meinem Freundeskreis sehr beliebt. Seitdem es aber Lego Friends gibt, kann man einmal mehr kritisch auf die Produktpalette schauen. Lego Friends ist eine Serie speziell für Mädchen mit „mädchenspezifischen“ Themen wie Haushalt, Schönheit oder Gartenarbeit. Ich kenne einige Jungs, die auch Teile aus der Friends Abteilung gut finden, sich aber nicht trauen diese zu kaufen. Allein die Steine in Pastelltönen oder die Figuren, die eher an Puppen, als an die typischen Minifiguren erinnern schrecken ab und zeigen: „Halt! Das hier ist nur für Mädchen.“ Zusätzlich werden Stereotypen verstärkt und ein wirres Frauenbild wird vertreten. Bei Feminist Frequency wurde die Thematik schon vertieft und gut erklärt, sodass ich die beiden Videos (1 und 2) sehr empfehlen kann.

Kein Halt vor Produkten für Erwachsene
Wer nun meint, dass Kinderprodukte ja nicht den eigenen Alltag streifen, mag vielleicht recht haben. Das bedeutet aber nicht, dass Erwachsene vor dem geschlechtsspezifischen Krempel verschont bleiben. Auch hier ist die Pallette wieder groß und reicht von Chips bis zu Stellenanzeigen.

Das Problem 
Wenn es nach den vorigen Absätzen noch nicht ganz klar ist, dann soll hier die Zusammenfassung folgen. Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil ich darauf aufmerksam machen wollte, wie weitverbreitet Klischees sind. Anhand der Fotos sieht man, dass fast jedes Produkt betroffen sein kann. Es ist ja nicht nur so, dass Geschlechterrollen verbreitet werden, sondern es werden vermeindliche Frauen- und Männereigenschaften vertieft. Bei den Chips kann die Frau nur den milden Geschmack zu sich nehmen, da sie ja dem schwachen Geschlecht angehört. Die Männer hingegen sind stark und halten einiges aus, wollen daher deftige Knabbereien.
Das Problem ist einfach, dass Geschlechterrollen als legitim dargestellt werden und durch Abbildungen und Werbung diese Rollen in den Alltag transportiert werden.

Ja und nun?
Ich kann euch zum Ende dieses Artikels keinen Masterplan mitgeben. Es wird immer wieder Werbetexter_innen oder Designer_innen geben, die solche Packungen und Kampagnen erstellten. Hier kann man die Produkte boykottieren. Viele der Bilder habe ich von der Seite ichkaufdasnicht, die vorbildlich derartige Güter auflistet. Man könnte dort selbst Beispiele einsenden und somit anderen zeigen, welche Produkte nicht besonders kaufenswert sind. Verbote gibt es ja leider nicht, denn alles was der Werberat machen kann, ist höchstens eine Rüge erteilen.
Im Allgemeinen ist es aber wichtig, dass man über die Thematik reflektiert und vielleicht Freunden und Freundinnen davon erzählt oder erklärt, dass diese Produkte nur ein kleiner Teil von Sexismus sind. Vielleicht ist es für den Anfang auch gut, sein eigenes (Kauf)verhalten zu hinterfragen und was überhaupt dahinter steckt.

You May Also Like

2 Comments

  • Lina 3. August 2014 23:41

    Sehr erschreckend und interessant deine Zusammenstellung! Der Twitter-Account @femInsist postet auch regelmäßig solche Beispiele, falls du den noch nicht kennst 🙂
    Das Ding ist auch – wenn du einmal anfängst, darauf zu achten, siehst du diese geschlechtsspezifische Werbung und die dazugehörigen Produkte überall. In Leipzig fahren sogar Taxis herum, die auf ihren Werbebannern nackte Frauen haben. Was auch immer die mit Taxis zu tun haben. Aber da muss man gar nicht erst anfangen, dann kommen nämlich diverse Handwerksbetriebe mit sexistischer Werbung und das ist ein Fass ohne Boden 😉
    Grade bei Kindern finde ich solche vermittelten Rollenbilder schlimm. Aktuell: https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/du-schaffst-es-baby
    (Furchtbar, sowas)

  • Nhi Le 3. August 2014 23:43

    Hi Lina!
    Danke für das Kompliment und auch den Account, da schau ich gleich mal vorbei. Ich achte ja schon drauf und genau so oft bin ich dann auch gefrustet oder genervt. Es ist ja nicht mal mehr lustig bzw. ins Lächerliche zu ziehen, sondern einfach beschissen.
    Mit den Handwerks-Werbungen hast du Recht, am besten ist es ja, wenn der Zusammenhang null ersichtlich ist. Da gibt es auch einiges bei Twitter auf ichkaufdasnicht, auch wenn man erst die Nerven aufbringen muss, um sich das reinzuziehen.

    Ich freu mich übrigens total, dass du bei den Beiträgen immer noch einen coolen (Geheim)tipp hast. Danke dafür!

Leave a Reply

*

"ga(‘set’, ‘anonymizeIp’, true);"