Fremdenfeindlichkeit stört mich.

Fremdenfeindlichkeit stört mich.

Vielleicht wundern sich jetzt ein paar unter euch über die Überschrift. Ist doch klar, was an Fremdenfeindlichkeit nicht stimmt – wer das nicht einsieht ist schlichtweg rassistisch. Hier trefft ihr deutlich auf meine Zustimmung. Ich möchte auch gar keine großen Erläuterungen bringen, sondern in diesem Artikel erklären, was mich an dem Wort stört.

Von vorne:
Im Duden bedeutet Fremdenfeindlichkeit „Fremden gegenüber ablehnend eingestellt.“ Wenn über rassistische Angriffe berichtet wird, dann kann es sein, dass von einem fremdenfeindlichen Überfall die Rede ist.
Was mich daran stört, ist, dass allein mit dem Begriff eine grundlegende Abwehrhaltung reproduziert wird.
Stellen wir uns vor, dass ein nicht-weißer Mann in irgendeiner beliebigen Stadt angegriffen wurde und die Lokalzeitung schreibt, dass man von fremdenfeindlichen Motiven ausgehen kann. Dann wird dieser nicht-weiße Mann als Fremder beschrieben, aber vielleicht ist er das gar nicht. Höchstwahrscheinlich ist er das nicht.

Alltagsrassismus ist mir schon in so vielen verschiedenen Formen begegnet. Auch hier würde man die Menschen, die abwertende Äußerungen von sich gaben, als fremdenfeindlich bezeichnen.

Aber bin ich denn überhaupt fremd?
In bin in Deutschland geboren, in Thüringen aufgewachsen, hab den Blechkuchen immer in kleine Stücke geschnitten.

Fremd fühlte ich mich nie, nur dann wenn mir mein Gegenüber zu verstehen gab, dass ich anders als er oder sie sei oder anders sein müsse. Wenn man so tat, als könnte ich die Sprache nicht verstehen, wenn man beim Kennenlernen durch ewiges Fragen nach dem nicht-deutschen Element im Stammbaum grub, statt einfach zu fragen, wie es geht, wie ich heiße.
Das einzige, das mich als fremd auszeichnen könnte, wäre mein Aussehen. Ich bin nicht weiß, sehe nicht „typisch deutsch“ aus. Alles andere bleibt aber gleich und so wird es auch bei den meisten Leuten sein, die Opfer von Rassismus wurden.

Die Täter waren dann fremdenfeindlich, doch das Opfer nicht mal fremd, sondern lediglich nicht weiß.

Wenn wir weiterhin das Wort „fremdenfeindlich“ benutzen, um Rassismus zu beschreiben, dann bewegen wir uns auf der gleichen Welle, Leute aufgrund ihres Aussehens in deutsch und nicht-deutsch zu kategorisieren.

fremd und bekannt, normal und unnormal, deutsch und nicht-deutsch

Natürlich handelt es sich bei diesem Aufreger um Kritik an der Sprache. Es geht lediglich um ein Wort, doch durch Sprache kann man Haltungen ausdrücken, Denkmuster untermauern und verfestigen und letztlich ist Sprache auch Teil der Gesellschaft.

You May Also Like

2 Comments

Leave a Reply

*