Sonntagsworte: Das ist keine Menschenkenntnis, das ist Arroganz.

Plötzlich versucht sie von seinem Auftreten in der Runde auf seinen Charakter zu schließen und beginnt mit ihrer Analyse.

 You think you know, but you have no idea.

Seien wir doch mal ehrlich: Wenn wir auf eine Gruppe neuer Menschen stoßen und man sich gegenseitig kennenlernt, dann schüttet man nicht gleich sein ganzes Herz aus. Nicht mal ich, eine Person, die ihr Herz auf der Zunge trägt, mache das. Je nach Art ist man etwas verunsichert, gleich total offen oder hält sich erstmal zurück.

Soweit so gut, ich finde, dass dies nichts mit Unehrlichkeit zutun hat, sondern eher normal ist. Nun gibt es aber Menschen, die ihren Gegenüber tot-analysieren müssen, in kleine Handlungen viel reininterpretieren und dann auf das Wesen der Person schließen wollen.

Meist wird dieser Mechanismus als Menschenkenntnis verpackt. So könnte das dann klingen:
„Diese traurige, verschlossene Art. Ich glaube, dass er nur Aufmerksamkeit will. Das merkt man doch schon daran, wie er sich mit dir unterhält.“
Unterstrichen wird das dann mit einem:
„Keine Sorge, ich kenne diese Art von Mensch.“

Für mich hat das nichts mit Menschenkenntnis, sondern mit Arroganz zu tun. Im Endeffekt ver- und beurteilt man nur aufgrund der eigenen Wahrnehmung. Wenn man den Gegenüber nicht wirklich kennengelernt hat, dann sind solche Aussagen unangemessen. Klar, wenn mir jemand unsympathisch ist, dann muss ich mich nicht weiter mit ihm oder ihr unterhalten. Dann stimmt die Chemie einfach nicht. Auch wenn ich weiß, dass wir nicht miteinander klarkommen, weil ich die Verhaltensweisen von jemandem nicht mag, ist das völlig okay. Zu meinen, dass man aber urteilen kann, warum jemand so oder so ist, finde ich anmaßend. Vorallem, wenn der Interaktionsraum ziemlich oberflächlich ist.

Ob sich jemand verstellt oder nicht, lässt sich meist schnell herausfinden. Warum das jemand gemacht hat, allerdings nicht – Fakt ist, dass das nicht sein muss. Wenn es aber doch vorkommt, dann sollte nicht der oder die innere Hobby-Psycholog_in zum Vorschein kommen, sondern entweder mit Akzeptanz oder eben Ablehnung reagiert werden.

Ist doch klar, dass man sich bei der Familie etwas anders verhält, als auf der nächsten Party. Psychologisches Kalkül steckt da meist selten dahinter – also sagen wir tschüss zu arroganten Beurteilungen und Analysen.

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