Sieben Jahre Fan sein, neun Konzerte und durchtanzte Schuhe. Eine Bilanz zu Jennifer Rostock.

Das Publikum wurde größer und die Haare immer kürzer. Jennifer Rostock ist die einzige Band, deren Entwicklung ich von Anfang an verfolgt und mit deren Musik ich die klassische Teenager-Zeit verbracht habe. Letze Woche war ich auf meinem neunten Konzert. Zeit für eine Bilanz und jede Menge Fan-Momente.

Vorab. Ich hab für diesen Artikel sämtliche alte Handys und Wühlkisten durchsucht, alle Fotos sind v selbstgeschossene Konzertaufnahmen mit einem bestimmten Kreischfaktor.

2008 – Albumrelease: Ins offene Messer
Konzerte: 5.12.08 im Centrum, Erfurt
Lieblingssongs: Blut geleckt, Keine Nacht

Mit 13 war ich auf meinem ersten ernstzunehmenden Konzert und das war Jennifer Rostock im Centrum, Erfurt. Der Club war klein, wir Mädels auch und so verhielt es sich auch mit dem Publikum. Es gab nur die Songs vom ersten Album, die Band war greifbar. Die in Mamas und Papas Augen obszönen Szenen gab es aber schon. Wenn ein Kerl im Publikum „Ausziehen“ rief, wurde er von Jennifer auf die Bühne geholt und musste selbst die Hosen runter lassen. Nackte Haut hat schon vor sechs Jahren funktioniert. Die Songs vom ersten Album waren klassisch und bis heute meine Favoriten.


2009 – Albumrelease: Der Film
Konzerte: 30.10.09 im Stadtgarten, Erfurt

Mein Lieblingsalbum erschien und mit dem der Trailer zum Film. Jennifers Haare sind nicht mehr schwarz und bis heute regen sich noch Menschen auf, dass sie doch zu dieser Farbe zurück kehren solle. Das neue Album ist elektrolastig und extrem tanzbar, die ruhigen Songs „Wo willst du hin“ und „Irgendwo anders“ auch in Acoustic spielbar. Ein Lapdance bei „Irgendwo anders“? Fehlanzeige!

2010
Konzerte: 27.03.10 im Pressenwerk, Bad Salzungen || 23.06.10 bei Mega Rock in Erfurt
Lieblingssongs: Schmutzig! Schmutzig!, Kopf oder Zahl

2010 ist mein absolutes Fanjahr gewesen. Obwohl die Band schon bekannter wurde, spielte sie hier. Es war ein Samstag und den Freitag vorher, kam ich erst aus England. Ich wusste genau, dass beim Song Kopf oder Zahl eine Person auf die Bühne geholt wird, um zu singen. Aus diesem Grund erzählte ich all meinen Freunden und Freundinnen, dass ich auf die Bühne müsste und sie mich dabei tatkräftig unterstützen sollten. Gesagt, getan, ich sang den Song samt Band und war so überwältigt von Jennifers Umarmung, dass ich nicht mal merkte, wie sich der Bassist Christopher vor mir auf die Knie warf. Meine Euphorie ist im Nachhinein nur noch mit viel Kitsch beschreibbar. Der Auftritt blieb vielen Konzerbesucher_innen im Kopf, sodass ich manchmal auf der Straße noch darauf angesprochen wurde. Klar machte es mich stolz als „kleine Jennifer“ bezeichnet zu werden, doch aus heutiger Sicht waren einige meiner Bewegungen auf der Bühne eher fragwürdig. Naja, Euphorie eben.

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2011 – Albumrelease: Mit Haut und Haar

Konzerte: 2.07.11  beim Burgbergfestival in Homberg || 5.11.11 im Stadtgarten, Erfurt.
Lieblingssongs: Meine bessere Hälfte, Es war nicht alles schlecht

Neues Album, neuer Aufnahmeort, neues Feature. Das dritte Album sei jenes, das am besten zur Band passte. Im Sommer fuhr ich zu meinem ersten „Festival“, um tatsächlich auch mal in der ersten Reihe zu stehen. Eigentlich mag ich das gar nicht, da man nicht pogen kann und die in der ersten Reihe, das ganze Konzert über meist den Arm hochhalten, um tolle Youtube-Videos zu drehen. Am Geländer wurde ich also von den tanzenden Menschen zusammen gequetscht. Auch mal eine Erfahrung.
Das Album erschien und es war meiner Meinung nach schwächer, als der Vorgänger, da Songs wie „Wasser bis zum Hals“ oder „Der Horizont“ für mich zu poppig klangen. Im Herbst kam dann mein Lieblings-Opening-Moment. Neben dem Mash-Up von „Blut geleckt“ und „Leben auf Zeit“, war es grandios, dass die Show mit meinem liebsten Song „Meine bessere Hälfte“ eröffnet wurde. Seitdem gab es meiner Meinung nach, keine besseren Opener-Momente. Ach und dann war da noch der Nhi und Jennifer-Foto-Moment.

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2012 – Albumrelease : Live in Berlin

Konzerte: 11.08.12 beim Open Flair in Eschwege
Lieblingssongs: 3 Millionen Schatten

Ich war zum ersten Mal auf einem großen Festival und das erste Mal auch von der Show enttäuscht. Natürlich ist ein Festival-Publikum ganz anders, als das auf einem Einzelkonzert, aber es wurde nicht gepogt oder getanzt , sondern nur rumgestanden. Jennifers Brüste waren größer, ihre Sprüche wurden älter und die Show richtete sich wohl ganz nach dem Motto „Sex sells“. Ihren Lapdance zu „Irgendwo anders“ habe ich gefühlte 100 Mal gesehen, ihre Sprüche zum Blankziehen gefühlte 100 Mal gehört und auch zur rechten oder linken Schamlippe wurde ich schon einige Male zugeteilt.

( Falls dieser Satz etwas verwirrend sein sollte, schaut euch das hier an, dann wisst ihr was ich meine).

2013
Konzerte: 24.08.13 beim Folklore NullDreizehn in Wiesbaden

Lieblingssongs: Nichts tät ich lieber, Der Kapitän

2013 geschah wohl mein größter Fan-Moment. Beim Folklore durfte ich das Konzert von der Bühne aus beobachten. Nach der Show unterhielten sich Jennifer und ich noch eine Weile. Der Abend war insofern gelungen, da viele alte Songs gespielt wurden ( siehe Setlist ) und alte Sprüche gestrichen waren. Jennifer Rostock ist mir als einzige Band bekannt, die auf jedem Konzert Fans auf die Bühne holt, sei es zum Singen oder Zuhören. Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass ich vom Folklore an, mir nichts weiteres als Fan wünschen kann.


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2014 – Albumrelease: Schlaflos
Konzerte: 15.02.14 im Haus Auensee, Leipzig.
Lieblingssongs: Ein Schmerz und eine Kehle

Zum Geburtstag bekam ich Konzertkarten geschenkt und wusste gleichzeitig, dass das wohl vorerst das letzte Einzelkonzert-Besuch werden würde. Im Haus Auensee spielte die Band ihre größte Show mit 3600 Besucher_innen und genau so fühlte es sich auch an. Ich stand auf der Empore am Geländer und war somit ziemlich passiv. Bei der Aussicht beobachtete ich das Publikum unten viel. Nur ein paar Typen wabberten in einem halben Circel Pit herum, der Rest stand und wippte mit dem Kopf. Mir wurde klar, dass die vielen alten Songs nicht mehr gespielt werden würden und auch die Atmosphäre aus den kleinen Clubs wohl ausgetauscht wurde. Wenn eine Band größer wird, dann ist das klar, aber man kommt eben nicht drumherum, es mit den alten Konzerten zu vergleichen.

Es wurde dennoch eine tolle Stimmung auf der Bühne erzeugt, sei es mit dem Statment bei „Ein Schmerz und eine Kehle“ oder dem Spielen von „Das Schiff versinkt“ und „Wrecking Ball“.Klar ist, dass ich hier noch seitenweise schreiben könnte, was ich mit der Band und der Musik verbinde. Als ich die Idee zu diesem Eintrag hatte, wollte ich vor allem zeigen, wie sich die Konzertatmosphäre geändert hat. Das ist nichts Schlechtes und der Erfolg einer Band ist das, was man sich ja wünscht, doch die „intime“ Clubstimmung kommt wohl nicht zurück. Ein kitschiges Resüme erspare ich euch nun, denn dass ich ein Fan der ersten Stunde bin, ist wohl jetzt jedem klar.

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