Warum ich wieder über Mode bloggen werde

Warum ich wieder über Mode bloggen werde

Dieses Blog war noch nie ein Fashion-Blog. Die dazu benötigten Postings kamen viel zu sporadisch und irgendwann habe ich fast gar nichts mehr über Mode gepostet. Dafür gab es viele Gründe.

Hinter der Kamera

Zuerst gehört natürlich eine Person dazu, die die Fotos aufnimmt. Für mich ist es wichtig, dass der Stil einheitlich bleibt, ich also möglichst immer mit der/dem gleichen Fotograf*in arbeite und das ergab sich einfach nicht (mehr). Die meisten Fashion-Blogger*innen sind entweder mit Fotografierenden zusammen oder so erfolgreich, dass sie diese angestellt haben. Das ist bei mir nicht der Fall.

Zu viele Floskeln, zu viel Zeug

Irgendwann habe ich mich dann auch gefragt, wie relevant das überhaupt ist. Manchmal fällt es mir schon bei meinen Shootings schwer, einen entsprechenden Artikel zu schreiben, doch hier gibt es ja immer noch Hintergrund-Informationen, Anekdoten usw. Bei Outfits fühlte es sich oftmals so an, als müsste ich mir irgendwas aus den Fingern ziehen und ehrlich gesagt, hätte mich liebloses blabla als Leserin wenig interessiert. „Dieses Grün passt gut zu meinem Charakter“. Aha. Wenn es um Mode-Postings geht, dann ist schon fast alles Mögliche gezeigt wurden, meist sind die Kleidungsstücke eh gesponsert (dafür umso seltener markiert) und mir kam das alles nur noch überflüssig vor. Auch mein Lese-Verhalten hat sich von Begeisterung eher zu Genervt sein gewandelt.

Seit November habe ich mit wenigen Ausnahmen (Winterjacke, Jeans, Sneaker) keine Klamotten mehr gekauft, weil ich der Ansicht bin, dass meine Garderobe jetzt relativ vollständig ist. Wenn ich an Modeblogs denke, dann kommen mir aber meist Einträge mit ständig neuen Klamotten in den Sinn und auf genau diese Art von Überfluss hatte ich ja keine Lust mehr.

Das spricht mich ja so an. Nicht.

Der Gipfel wurde dann erreicht, als ich merkte, dass die Fashion-Blogs, die ich las, nichts Alltagstaugliches oder erschwingliches mehr zeigten. Angesichts der Professionalität dieses Metiers, war ich irgendwie auch eingeschüchtert. Denn es ist doch so: Niemand möchte mittlerweile mehr „amateurhafte“ Bilder sehen. Jedes Outfit-Shooting muss ein gewisses Hochglanz-Niveau haben. Zeitlicher Aufwand gehört genauso dazu wie die richtige Pose oder Location. Zwischen Looks, die ich nicht mochte, einer scheinbar zwanghaften Konsum-Mentalität und Bloggerinnen, mit denen ich mich nicht (mehr) identifizieren konnte, fand ich mich nicht wieder.

Und jetzt doch

Genau das ist der Grund, warum ich jetzt doch wieder mit dem Gedanken spiele, Outfits zu posten. Die Fashionblog-Szene ist voll von großen, schlanken weißen Bloggerinnen, die Mode für meist einen Körpertypen zeigen. Es gibt viele hübsche Outfit-Kombis, viele dienen als Inspiration, aber als 1,59m große Frau kann ich mich in eine Menge gar nicht reindenken. Natürlich hat Mode auch etwas mit Kreativität zu tun, aber es geht hier auch um Repräsentation. Was ich sehen will, sind kleine Frauen, die Street Wear tragen. Denn weder trage ich täglich hohe Schuhe, nur damit es zum Rest des Outfits passt, noch kann und will ich jeden Trend mitmachen, denn in einem Maxi-Kleid würde ich einfach so aussehen, als sei ich auf einer Gardine ausgerutscht.

Wenn es das nicht gibt, was ich sehen mag, dann fange ich selbst damit an: Mode-Postings mit einem Fokus auf Street Wear und kleine Frauen.

An diesem Punkt auch nochmal danke für den Anstoß an bspw. Amina, Tara und vielen anderen Twitter-Userinnen. Denn seitdem ich mich auf Twitter mit diesen und anderen Userinnen über Jeans für Frauen unter 1,60m ausgetauscht habe, weiß ich, wen ich mit künftigen Postings ansprechen möchte.

Body: Flohmarkt
Shorts: H&M

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9 Comments

  • Katrin 18. September 2016 13:06

    Finde ich super spannend, weil es für mich als Plus Mode Bloggerin sehr viele ähnliche Gründe gab, dass ich zur Zeit nicht mehr Blogger. Klar waren es auf meine persönlichen Umstände (Auswandern, Reise usw.) aber generell geht es mir auch so, dass die Mode Community, speziell für Große Größen, in meinem Fall, mir kaum noch etwas gibt, alle erfolgreichen Blogger_innen sehen gleich aus, trage Dinge die oft so im Alttag gar nicht getragen werden, arbeiten mit großen Marken, die sich kaum jemand leisten kann und jeder politische und radikale Aspekt an Mode ist für mich dabei weg gefallen.
    im Moment spielen ich allerdings auch wieder seit längerem mit dem Gedanken, dass ich doch wieder Outfits und anderes verbloggen mag, und dein Post ist definitiv ein guter Anstoß dazu!

    • Nhi Le 18. September 2016 22:54

      Hallo Katrin!

      Danke für deinen Kommentar. Ich fänd es super toll, wenn es ein reizende Rundungen-Revival gäbe. Für meinen Netzfeminismus-Vortrag hab ich auch wieder auf deiner Seite gestöbert, um alle möglichen coolen persönlichen Blogs im Blick zu haben.

      Der Aspekt mit dem „Verkleiden“ ist so so wahr! Wenn ich daran denke, dass ich früher immer den Anspruch hatte, möglichst schick oder eben durchgestyled zu sein, obwohl mich sowas immer selbst eingeschüchtert hat – damit ist es jetzt vorbei.

      Ich hoffe ganz sehr, dass früher oder später wieder was von dir kommt.

  • Madlén Bohéme 18. September 2016 14:11

    Super Post und klasse Entscheidung, man muss ja nicht Blogs mit Outfits füttern die eh aussehen wie bei jedem/jeder. Ich denke man sollte sich treu bleiben. Du hast Bock auf Mode? Dann schreib drüber, why not? Aber dann so wie du es eben magst und was dir entspricht. Da sind wir wieder bei dem großen Thema Authentizität …die geht leider oft verloren und ich habe mich auch schon dabei erwischt, ein Foto so haben zu wollen, wie alle anderen auch. Das Problem ist nur oft, dass man immer direkt als reiner Fashion Blog angesehen wir nur weil man Outfits postet. Aber da gibt es ja noch mehr…ich sehe mich nicht als reine Modebloggerin, werde aber nur als solche betitelt. Ganz oft verlinke ich die Looks meiner Outfits auf Bildern (wo es eh nicht um Mode geht) NICHT und gesponserte Teile gehören IMMER verlinkt.

    Ich freue mich auf weitere Posts.

    Liebst,

    Madlén Bohéme

    • Nhi Le 19. September 2016 21:41

      Ach Madlen,
      du hast mir ja nochmal den finalen Anstoß gegeben, dass auch die Handyfotos okay sind. Da dank ich dir.

      Mir geht es auch voll auf die Nerven, dass sobald mal ein Outfit zusammengestellt wird, der Blog auf einmal ein Fashionblog ist.

      Herzi!

  • Jana 19. September 2016 12:46

    Hört sich nach einer toller und wohl überlegten Entscheidung an. Mich stören genau die gleichen Dinge an den meisten Modeblogs wie dich: Es ist einfach meilenweit von meiner Lebensrealität entfernt. Schön, dass du das wieder ändern möchtest.

    Lieben Gruß,
    Jana

    • Nhi Le 21. September 2016 15:41

      Hallo Jana!

      Ich danke dir für den Kommentar und freu mich, dass einige diese Meinung wohl teilen.

      Viele liebe Grüße!
      Nhi

  • Jana 21. September 2016 7:53

    Ohja! Ganz toller Beitrag! Ich kann mich nur dir und den Kommentatorinnen vor mir anschließen 🙂 es gibt zu viele Blogs, bei denen alles gleich aussieht und auch irgendwie alles gleich ist. was mich auch ein bisschen an dem Hype von modeblogs stört ist dieses stereotype Körperbild, was man schon von Magazinen oder der Werbung kennt. Klar, gibt es auch Blogs, die etwas anderes zeigen, aber die zu finden ist manchmal glückfall (so wie hier). Und eigentlich sind doch auch Blogs gerade gut, um mal Diversität zu zeigen, denn die gibt es nunmal und das ist auch gut so! Liebe Grüße Jana
    P.s. Weiter so 🙂

    • Nhi Le 21. September 2016 15:40

      Hallo Jana!

      Danke für deinen Kommentar.
      Ich bin froh, wenn sich einige in dem Post wiederfinden können und das zeigt mir auch, dass ich mit der Sichtweise nicht alleine stehe.

      Viele liebe Grüße!
      Nhi

  • Patty 22. September 2016 20:16

    Ich finde deinen Beitrag echt klasse. Super das du entschieden hast vielleicht doch mal wieder etwas mit Mode zu posten. Ich persönlich lese unglaublich gerne Modeblags, finde aber auch viele andere Themen interessant. Dein Blog spricht mich zum Beispiel sehr an, obwohl nicht alles von oben bis unten von Mode handelt.

    Liebe Grüße 🙂
    Measlychocolate by Patty

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