Mein Zero Waste-Weg

Mein Zero Waste-Weg

Über meine Müllvermeidung, Nachhaltigkeit und warum das für mich eigentlich Minimal Waste heißen sollte.

Umweltbewusstsein war für mich schon immer ein Thema. In der Grundschule habe ich mal ein Gedicht über Mehrwegflaschen geschrieben, Mülltrennung wurde strikt verfolgt, mit 13 wurde ich Vegetarierin.
Die Ursprünge darin sind vielfältig, vielleicht war es meine Oma, die die Mascarpone-Schachtel aufhob, um Kräuter darin einzufrieren oder meine Mom, die meinte, dass man auch einen großen Rucksack für den Einkauf oder den Rollwagen (was mir sehr peinlich war) nutzen könnte, statt Plastiktüten zu kaufen.
Als ich mit 16 LUSH kennenlernte, war ich vom Prinzip total überzeugt, vor allem der relativ unverpackte Aspekt gefiel mir besonders. Mittlerweile wird man mich nur noch selten in einem dieser Läden antreffen, die „Nacktheit“ der Produkte befürworte ich dennoch. Mit der Zeit wollte ich immer mehr Müll vermeiden, fand mein Nachhaltigkeits-Verhalten aber schon recht ausgereift. Durch den Backblog cake invasion kam ich auf den anderen Blog der Betreiberin Shia und begann mich mit dem Thema Zero Waste zu beschäftigen. Shia verursacht einfach gar keinen Müll und irgendwie wollte ich es auch wagen. Das war Anfang des Jahres.

Nach der Begeisterung im Unverpackt-Laden, sogar müllfreiem Rumreisen und co. fühlte ich mich aber doch unter Druck gesetzt. Wenn es nicht gleich klappte oder mal doch wieder etwas Müll anfiel, wurde ich frustriert und hatte das Gefühl, es gar nicht zu schaffen. Die Ansprüche an mich selbst waren zu hoch. Haha kennen wir ja sonst gar nicht.
Vor ein paar Wochen wollte ich es mal wieder probieren und seitdem bin ich ziemlich zufrieden, weil ich gemerkt habe, dass Müllvermeidung kein Wettbewerb ist. Es muss sich entwickeln, man gewöhnt sich Routinen an und manche Bereiche bleiben eben Baustellen. Ich hab mir gedacht, dass ich euch meine Fortschritte und „Errungenschaften“ zeige und vielleicht motiviere ich einige von euch, etwas nachzumachen.

Lebensmitteleinkauf

Als ich in einem Seminar mit Kommiliton*innen eine Hörsaalflimmern-Sendung mit dem Namen „Going Green“ produziert habe, sagten mir bei den Vox Pops die fast alle Befragten, dass der Lebensmitteleinkauf am meisten Müll produziert. True, denn selbst Gurken werden ja oftmals eingeschweißt.
Als Veganerin muss ich mir natürlich keine Gedanken darüber machen, wie ich unverpackten Käse oder Fleisch bekomme. Der erste Angriffspunkt ist für mich das Obst und Gemüse. Beides kaufe ich aus Geldgründen nicht hauptsächlich Bio ein, auch wenn man sich hier am wenigsten mit Verpackung rumschlagen, aber dafür auch oftmals das dreifache für die gleiche Menge konventioneller Produkte hinlegen muss. Tatsächlich kaufe ich im Discounter immer einfach die Sorten, die gerade nicht eingepackt sind – klappt. Für alles andere ist (so gut es geht) der Unverpackt-Laden die Anlaufstelle. In Leipzig gibt es zwei, einen in Schleußig (mein Bericht hier) und einen in der Südvorstadt. Brot und Brötchen kann man sich beim Bäcker (ich bin immer bei Lukas) in eine wiederverwendbare Tüte geben lassen. Zugegeben: Manches werde ich nicht unverpackt hinbekommen: Da ist Tofu oder auch eben auch der mal der Griff zu einem anderen Ersatzprodukt, aber damit habe ich mich abgefunden und bin zufrieden mit meinem Status.

Bad und Hygiene

Was die Körperpflege angeht, finde ich dass dies der am leichtesten umzustellende Punkt ist. Nicht selten quillt das Badregal oder der Badewannen-Regal vor halbleeren Plastikflaschen über. Bei mir sind es drei Produkte, die am Beckenrand stehen. Ich schwöre auf Aleppo-Seife für den Körper, die es unverpackt im Bio-Laden gibt, Haarseife für das Haar (eine reicht gerade schon für ein Jahr und es ist noch mehr als die Hälfte da) und Kokosöl als Creme und zum Abschminken. Das war’s auch schon. Meine Zahnbürste ist ebenso aus dem Biomarkt und aus Maisstärke, der Kopf ist wechselbar, wobei ich gerne auf etwas umsteigen würde. Lediglich die Zahnpasta macht Müll, da ich seit Jahren die B12-Pasta von Santé verwende. Zum Enthaaren nutze ich einen Epilierer, was die Menstruation angeht, möchte ich auf eine Menstruationstasse umstellen.

Kleiderkauf und Konsum

In irgendwelchen GDW habe ich mal geschrieben, dass mein Kleiderschrank mittlerweile komplett ist. Es ist glücklicherweise gar nicht so, dass ich mir neue Teile wünsche und deshalb kaufe ich auch nichts mehr. Falls doch, dann suche ich es erst Second Hand, dann nachhaltig produziert und dann erst konventionell vor Ort. Der Online Shop ist die letzte Wahl, da mit dem Versand meist viel Müll verbunden ist. Es ist übrigens auch ein Schritt, beim Einkaufen keine Gratis-Plastiktüte anzunehmen. Dazu mehr im nächsten Punkt.
Mein Konsum materieller Dinge beschränkt sich also größtenteils auf Lebensmittel – naja und Lippenstifte, aber das gönne ich mir eben ab und zu.

Alltag und unterwegs sein

Ich bin ein Rucksack-Typ und habe eigentlich immer einen auf, dadurch ergibt sich eine Menge Stauraum. In dem Rucksack habe ich immer einen Stoffbeutel für noch mehr Tragemöglichkeiten. Außerdem ist es total praktisch eine Brotdose dabei zu haben, da ich häufig spontan essen gehe und Essensreste so mitgenommen werden können. Generell finde ich Silberpapier (wie mein Opa es nennt) und auch Frischhaltefolie unnötig, Snacks können ja ebenso in einer Tupperbox mitgenommen werden. Eine Trinkflasche spart neben Müll auch Geld, weil man nicht ständig neue PET-Flaschen kaufen muss und stets auffüllen kann.

Baustellen

Meine Restmülltüte wird immer wieder gut gefüllt und das liegt an meinem hohen Taschentuchverbrauch. Als Allergikerin muss ich immer eine Packung dabei haben und ich kann mich einfach nicht mit Stofftaschentüchern anfreunden. Es gibt auch Punkte, die ich von vornherein nicht zero-wasten möchte. Da wäre das Toilettenpapier zu nennen.

Disclaimer

Der ganze Text ist voller „ich“, aber es sind eben meine persönlichen Verhaltensweisen. Könnte ich es, dann würde ich auch immer unverpacktes Biogemüse und -obst kaufen, doch das kann ich mir nicht leisten. Hier wären wir wieder beim Klassismus-Problem, was ich bereits beim Veganismus angesprochen habe. Ich judge niemanden, der/die zu Billigem greift, weil es finanziell nicht anders geht. Auch verlangt Müllvermeidung auf so einer „ausgereiften Ebene“ einiges an Vorbereitungszeit und die hat auch nicht jede*r. Ich denke aber, dass sich Tipps wie jene aus der Alltags-Kategorie gut umsetzen lassen, da mit ihnen sogar noch Geld spart.

Es ist bei weitem nicht so, dass ich null Müll verursache, aber in meinen Möglichkeiten ist er eben minimal, deshalb lieber Minimal Waste.

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5 Comments

  • Svenja 14. August 2016 18:11

    Toller Beitrag und toll das über das Thema geschrieben wird 🙂 Ich finde auch cool, dass du erwähnst das die Thematik bei dir schon in der Kindheit ein Begriff war!

    LG Svenja

  • tina 15. August 2016 21:51

    Hey, danke für den Beitrag! „Zero Waste“ klingt sofort wie ein ganz hoher Anspruch, aber dabei ist es doch oft alltagsnäher als ich denke. Vieles sind auch einfach Dinge, die meine Oma schon gemacht hat, und auf die ich mich einfach zurückbesinne (zB mit einer eigenen Stofftüte zum Bäcker gehen). Für mich war auch ein Schritt, keine Bücher, Zeitungen und Zeitschriften mehr zu kaufen, sondern das ebenfalls digital zu lesen. Ich weiß, dass das für viele nicht infrage kommt (weil zB ein Ebook-Reader teuer ist und/oder es für die Augen anstrengend ist, auf einem Bildschirm zu lesen) und das ist auch okay, aber für mich war das eine gute Option, nicht mehr so viel Papiermüll zu haben und für meinen Rücken war es super, nicht mehr so viele Bücher durch die Gegend zu schleppen. Oh und: Meine liebsten Kleiderstücke kommen von Kleidertausch-Partys. LG

    • Nhi Le 16. August 2016 17:27

      Hey Tina!
      Danke für deinen Kommentar. Das mit dem Papier ist mir auch aufgefallen, ich schaffte es auch nie, die ZEIT zu lesen, als ich sie im Probeabo hatte.
      Für Magazine habe ich leider eine Schwäche, aber mein Abo melde ich ab, da das dann Versand samt Verpackug spart, als wenn man zum Kiosk geht.
      Ich hab bspw. auch meine Kontoauszüge auf PDF umgestellt, das ging auch ganz leicht. Das mit der Stofftüte hat auch die Verkäuferin beim Bäcker angesprochen und sagte, dass es früher so ja aucgh ging.

      Ich wünschte, in Leipzig gäbe es mehr Kleidertauschparties!

      Liebe Grüße,
      Nhi

  • Anne 29. Dezember 2016 13:18

    Hallo Nhi,

    ein spannender Beitrag, danke dafür! Die Bezeichnung „Zero Waste“ finde ich auch immer etwas problematisch, weil das einen verdammt hohen Anspruch suggeriert und viele dadurch vielleicht schon abgeschreckt werden. Für mich selber nenne ich es einfach „weniger Müll“ und das stößt auch in meinem „normalen“ 😉 Bekanntenkreis auf Verständnis, ist für jeden nachvollziehbar.

    Da wir demnächst in ein eigenes Haus umziehen und dann unsere eigenen Mülltonnen haben werden, will ich mal beobachten, wie viel Müll bei uns eigentlich anfällt (natürlich mit dem Ziel, das noch weiter zu reduzieren). Aktuell geht das immer etwas unter, weil wir die Mülltonnen zusammen mit den Nachbarn benutzen.

    Liebe Grüße
    Anne

    • Nhi Le 29. Dezember 2016 14:44

      Hallo Anne!

      Danke für den Kommentar! Ich denke auch, dass der Begriff zu viel Druck macht. Manchmal ist es aus Planungsgründen einfach nicht möglich verpackungsfrei zu kaufen.
      Viel Erfolg bei der Beobachtung auch. Das mit den Nachbar*innen ist ja eine Sache für sich. Bei mir schmeißen viele Leute auf den Platz, nicht mal in die Tonne selbst.
      Ziemlich nervig.

      Viele Grüße!

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