Warum ich an Männertag ungern draußen bin.

Warum ich an Männertag ungern draußen bin.

Männertag – Einer der gruseligsten Tage des ganzen Jahres. Wenn ihr zu meiner Fraktion gehört und heute auch nicht zum lustigen Besaufen geht, dann ist der Text für euch.

Ich komme aus Thüringen. Schon als Jugendliche bekam ich mit, wieviel die Menschen darauf Wert legten an Männertag ordentlich saufen zu gehen. Mit dem Bollerwagen zog man dann morgens los, um meist kotzend an einem See zu enden.
Meine Abneigung kann man wahrscheinlich durch viele Punkt begründen. Da wäre das Besaufen, also der Hauptinhalt für die meisten. Ich hab nie wirklich Alkohol vertragen und wollte niemals in meinem Erbrochenen landen. Außerdem erschracken mich die ganzen Gruselgeschichten von den umliegenden Dörfern. An Männertag seien schon Menschen im besagten See ertrunken oder hätten sich aus Versehen Körperteile weggesprengt. Na gut, diejenigen kamen auch aus dem Dorf, in dem man dem Bräutigam zum Junggesellenabschied Bauschaum in die Stiefel gefüllt haben soll. Angeblich mussten ihm die Beine amputiert werden – schade. Dass komische Sachen unter Alkoholeinfluss besonders an diesem Tag passieren, hab ich an Himmelfahrt 2009 auch selbst erlebt. Da setzte man sich in Hundekot, pinkelte sich ein oder rollte einen Berg runter.
Warum ich es danach vorzog, in meinem Zimmer zu chillen und eine gute Portion Nudeln in mich reinzustopfen, lässt sich auch gut mit dem Unbehagen erklären, das ich an diesem Tag auf der Straße empfinde. Cat Calling findet hier nur noch stärker statt, das „Himmelfahrts-Kommando“ wird als geile Gelegenheit zum Abschleppen verstanden und wie unangenehm betrunkene Männer sein können, muss ich an dieser Stelle wahrscheinlich nicht erzählen. Übergriffe werden noch mehr als sonst als legitim gesehen, die Frau habe ja dann auch getrunken, „es so gewollt“ usw. Ich habe an jedem anderen Tag im Jahr keine Lust, in der Öffentlichkeit angreifbar zu sein, da muss ich mich also nicht noch diesen Umständen in verstärkter Form aussetzen.

Männertag ist für mich also leider ein Sammelbecken ekliger Angewohnheiten, die durch gesellschaftliche Strukturen als in Ordnung gelten. Nö nö. Da häng ich lieber irgendwo rum und schreibe den nächsten Blogeintrag.

You May Also Like

1 Comment

  • Martin 15. Mai 2015 13:08

    Ich war beim lustigen besaufen. Den Text fand ich trotzdem gut.

Leave a Reply

*