Ich wohne jetzt in Leipzig.

oder – der Karaokebar-DJ hat den schlimmsten Job der Welt.

Ich gehe aus der Tür, bin auf dem Weg zur Uni und es riecht nach Pizza. Das Wort bummeln klingt in etwa genau so gut wie das Wort Creme als „Kreme“ ausgesprochen, aber bummeln ist jetzt wirklich das was ich machen möchte. || 

Wenn ich auf dem Weg zur Uni bin, dann muss ich durch lauter Einkaufsstraßen und Passagen und selbst wenn ich nicht auf den Konsum aus bin, so lasse ich mich gerne von all den Schaufenstern anziehen und werde ständig von etwas anderem abgelenkt – so ist das wohl als Kleinstadtkind. Menschen im Einkaufsrausch, riesige Plastetüten und zwischen all dem sitzen Bettlerinnen ohne Beine und während sie über Hunger klagen, interessieren sich die Passant_innen nur für den Mann, der in der Fußgängerzone auf einem Flügel klassische Musik spielt. Widersprüche und Zwiespalt.

Zwiespalt – das ist ein Thema, welches mir seitdem ich in Leipzig bin fast jeden Tag begegnet. Seit zwei Jahren will ich in diese Stadt ziehen und sie erkunden. Ich dachte auch, dass ich das jetzt könne. Im Sommer täglich auf Wiesen liegen, abends zur Küfa gehen, Vorträge anhören, mit den Liebsten bei Partys sein, Workshops besuchen, bei Lesebühnen zuhören und auf Konzerten abgehen, Sport treiben, Karaoke singen und das am besten jeden Tag. Nur irgendwie geht das nicht. 
 
Studentin sein ist anstrengender als gedacht und wahrscheinlich bin ich einfach zu naiv an die Sache gegangen, aber es gibt tatsächlich keinen Wochentag ( bis auf Freitag ) an dem ich vor 17 Uhr zu Hause bin. 11 Veranstaltungen pro Woche fordern Aufmerksamkeit und wollen vor – und nachbereitet werden. Ich studiere Kommunikations- und Medienwissenschaft, ein Studiengang, der es in sich hat und noch viel theoretischer ist als gedacht. In der Woche bleibt also nicht viel übrig für das  kulturelle Leben.
Zieh um, das Leben in der Innenstadt ist nicht besonders lebenswert.“ sagte mir mal jemand. Ich wollte auch ursprünglich in der Südvorstadt oder in Plagwitz wohnen ( aber das wollen ja alle ) und nun ist es ja doch nicht so gekommen und ich wohne an der Uni. Ich habe das gemacht, weil ich mich nicht ablenken lassen wollte von all dem, was mich so interessiert, aber Ablenkung gibt es ja immer. Ich will Leipzig entdecken, so ganz für mich und zwischen all dem Hypezig-Gerede ein Stückchen glücklicher werden in dieser Stadt. Keine Ahnung warum ich schon so lange hier hin wollte, es ist eben so und es ist richtig so.

Wahrscheinlich muss ich einfach eine Balance finden zwischen dem Studium und meinem neuen Leben hier finden, doch vielleicht sollte ich aufhören mir immer zu sagen, dass ich ab nächster Woche wirklich wirklich mit studieren anfangen werde.

|| So ist das also. Mittlerweile bin ich an der Uni angekommen und quetsche mich an meinen liebsten Kommilitoninnen vorbei, da ich wieder spät dran bin. Ich war noch ein bisschen abgelenkt.

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