Gedanken der Woche KW#25

Gedanken der Woche KW#25

Workshopwoche, Poetry Slam, eine fantastische U20 Open Air Stadtmeisterschaft und der Umzug in meine neue WG.

Gedacht: Komisch, wie sehr es mich „beruhigt“, in die U-Bahn zu steigen und so viele nicht-weiße Menschen zu sehen. Ich muss dann immer an die grottige Werbung der BVG denken, in der ausschließlich weiße Leute in der Bahn saßen. Berechtigterweise gab es einen Shitstorm, da das einfach nicht die Realität abbildet. Ich komme natürlich nicht umher, alles immer mit meinem eigentlichen Wohnort zu vergleichen und oh boy, Leipzig ist so weiß. Das zeigt sich in solchen Situationen einmal mehr.

Gelernt: Mit zwei sehr lehrreichen, interessanten und auch bewegenden Workshops ging meine Woche los. Bei Jäger & Sammler bekommen die Hosts wie auch das Format an sich eine Menge Hass ab. Das äußert sich nicht nur in vielen Kommentaren, sondern auch in „Parodien“, denn Leute nehmen sich wirklich die Zeit dazu, um Videos über unsere Videos zu machen. Hinzu kommt, dass fast alle Hosts von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind: nicht-weiß, muslimisch, lesbisch, schwul. Für Hater ein gefundenes Fressen. Unsere Redaktion lässt uns damit nicht allein und hat dafür einen Workshop mit Psychologin Dorothee Scholz organisiert. Sie hält fantastische Vorträge zu den Themen: „Die Psychologie des Hasses“ oder „Rezept für Populismus“. Ich hab wie gesagt sehr viel gelernt und wünschte, ich könnte hier ein Buch oder einen Video verlinken, da ich mir sicher bin, dass es vielen anderen Betroffenen genauso helfen würde und Interessierten im Allgemeinen eine gute Lektüre wäre. Ich nehme vor allem mit, dass ich „nur“ als Projektionsfläche diene und dass Auseinandersetzungen im Netz vergleichbar sind mit einer Unterhaltung mit einem Betrunkenen. Dieser Gedanken hilft mir besonders, da ich mit einem betrunkenen Pöbler auf der Straße ja auch nicht diskutieren würde. Ich glaube, wir sind alle ein bisschen stärker aus dem Workshop gegangen, gerade weil wir uns immer wieder vor Augen gehalten haben, dass wir für den Hass nie selbst verantwortlich sind.

Geslammt: Wäre ich nicht mitten in der Sommerpause umgezogen, dann hätte ich wohl ziemlich viele Slams mitnehmen können. So bleibt es beim Poetry Slam Potsdam, den der fantastische Temye Tesfu mit der fantastischen Tanasgol Sabbagh moderiert. Beste Voraussetzungen auch für eine tolle Zugfahrt zurück nach Berlin.

Gehostet: Die U20-Szene Leipzigs floriert und hat sich bei einer eigenen Stadtmeisterschaft gemessen. Bereits zum zweiten Mal haben wir diese Veranstaltung durchgeführt. Mit einem Open Air auf der Moritzbastei haben wir einen schönen Saisonabschluss gefeiert und eine der schönsten Locations Leipzigs mitgenommen. Übrigens standen drei tolle Slammerinnen im Finale und ich hoffe, dass sie noch lange Texte schreiben und auftreten werden.

Gewesen: Ich hab versucht, so viele Freund*innen wie möglich während der 48 Stunden Leipzig zu sehen. Es hat gut geklappt, denn die Variante „Treffen und Essengehen“ bewehrt sich immer wieder. Einmal Gnocchi, zweimal vietnamesisch, zu gut. Ich hab auch das Gefühl, dass während meiner Abwesenheit neue Läden aus dem Boden sprießen. Die Bucketlist ist also lang, Hanoi Cuisine in der Innenstadt kann ich mit Sternchen von der Liste streichen. A apropos Bucketlist: Nach 3,5 Jahren Leipzig habe ich immer noch so viele Aktivitäten offen. Zumindest das Klassik Airleben kann ich streichen. Fürs nächste Mal würde ich dann wohl auch einen Picknickkorb packen. Alles in allem aber ein toller Abend. Ich frage mich, wie viele Leute diese Veranstaltung tatsächlich schon ins Gewandhaus gezogen hat.

Gezogen: Sonntagabend dann der Umzug in meine erste WG. Da wir nur zu zweit wohnen, ist alles ziemlich entspannt. Die Wohnung befindet sich auf der Torstraße in Laufweite zur Arbeit und ich habe damit riesiges Glück gehabt.

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4 Comments

  • redhairmoe 10. Juli 2017 10:25

    Bzgl. „oh boy, leipzig ist so weiß“, ist mir sofort aufgefallen, als ich nach Leipzig von Köln gezogen bin. Finde es immer noch sehr ungewohnt.

    • Nhi Le 22. Juli 2017 11:31

      Wahrscheinlich ist es in den meisten Städten, die nicht in Ostdeutschland sind, so. Bin auch immer wieder überrascht, wenn ich z.B. in FFM bin.

  • Trang 10. Juli 2017 21:13

    „Komisch, wie sehr es mich ‚beruhigt‘, in die U-Bahn zu steigen und so viele nicht-weiße Menschen zu sehen.“ Hahaha, ja, ich liebe es einfach, im Berliner ÖPNV all die nicht-deutschen Sprachen zu hören. Kenne das so gut. Gerade wenn man in so einer weißen, ostdeutschen Kleinstadt aufwuchs. 🙂

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