Gedanken der Woche KW#17: Orcas Island-Edition

Gedanken der Woche KW#17: Orcas Island-Edition

Mein vierter Reisetagebuch-Eintrag aus den USA. Dieses Mal in der Orcas Island-Edition, als ich auf Orcas Island war und viele Wale gesehen habe. Dazu noch Berichte über unsere Ausflüge durch die Wälder und an den Strand des Puget Sound.

Hier geht es zum ersten Teil des Reisetagebuchs: Portland-Edition , hier zum zweiten Teil: Seattle-Edition und hier zum dritten Teil: Pierce County-Edition. Wer zu faul zum lesen ist, kann sich auch die von mir vorgelesene Version anhören.

Puget Sound

Nachdem Z, sein Bruder und ich schon im botanischen Garten waren, nehmen wir uns für diese Woche Strandausflüge vor. Zweimal soll es an den Strand und zum Wandern gehen. Wir starten an einem relativ bewölkten Tag nach (Tacoma). Der Strand ist steinig und durch die momentane Ebbe weitläufig. Als Kinder haben die beiden jeden noch so kleinen Stein umgedreht, um zu sehen, ob sich darunter Krabben verstecken. Sein Bruder hebt eine hoch, sie ist tot. Auch Z ist fündig geworden, sie ist schwanger. Ich rate beiden sich die Hände zu waschen. Am nächsten Tag erwischen wir wieder bestes Wetter und fahren nach Tacoma. Unser Ziel ist ein der Point Defiance Park, der sich in einen Wald erstreckt. Was mit einem Rosengarten und Park beginnt, zieht sich fünf Meilen über einen Berg und wird zum typischen Washingtoner Wald. Man kann dort hochwandern, aber auch fahren und überall austeigen.
Auf unserem Weg begegnen wir einer Menge Waschbären, die darauf warten gefüttert zu werden. Als Stadtkind ist jede Art von wildem Tier etwas ganz besonderes für mich. In Leipzig habe ich zumindest schon einen Fuchs und viele Igel gesehen, in Berlin mal eine Ratte, bei einem Fotoshooting mal zwei Rehe. Die Liste ist also ausbaufähig. Nachdem wir haufenweise Bäume bestaunt haben, laufen wir zum Strand. Durch das gute Wetter können wir weit rausschauen, die Insel gegenüber scheint ganz nah. Ich bin begeistert von der Tatsache, dass man einerseits zig Wälder zum Wandern hat und andererseits direkt am Meer wohnt. Das Puget Sound ist eine Bucht, in der sich das Salzwasser des Pazifik mit Süßwasser mischt. Dadurch ist das Ökosystem sehr vielfältig, egal ob an Land oder im Wasser. Am meisten interessieren mich ja die Riesenkraken, aber da ich durch ein paar Ohrenprobleme nicht Tauchen kann, sehen wir diese natürlich nicht.

Orcas Island

Unsere letzte Reise steht an und dieses Mal geht es nach Orcas Island. Ich freu mich, gleichzeitig markiert der Ausflug auf die Insel auch das Ende unserer Urlaubs. Ich kann mich glücklich schätzen, vier Wochen Urlaub sind ja schon eine ganze Menge, trotzdem will ich noch nicht zurück, da vieles im Alltag leichter ist und vor allem der zwischenmenschliche Umgang immer freundlich und respektvoll ist. Dass ich bald wieder irgendwo sein werde, wo das nicht die Regel ist, soll nun aber nicht im Fokus stehen.
Mit dem Auto fahren wir zwei Stunden nach Anacortes, um dann noch eine weitere Stunde mit der Fähre nach Orcas Island zu fahren. Die Sonne scheint und wir stellen uns ganz vorne ans Deck. Wir kommen an zig Inseln vorbei, die mal wie eine Walnuss, mal wie der Rücken einer Schildkröte aussehen. Auf manch einsamer Insel steht ein schickes großes Haus. Z meint, dass er sich vorstellen kann, dass diese Inseln z.B. Microsoft Executives gehören. Das IT-Unternehmen kommt schließlich aus Seattle und da ist der Weg hier hoch nicht weit. Den Rest der Fährfahrt verbringe ich damit, die Insel zu studieren. Sie ist Hufeinsen-förmig und unser Hotel ist genau in der Mitte, unweit davon wird morgen das Whale Watching-Schiff ablegen. Seine Mom hat uns diese Tour geschenkt und wir sind schon ganz gespannt, ob wir wirklich einen Wal sehen werden.
Für den heutigen Tag steht erstmal das Erkunden der Insel und ein Ausflug zu Mt. Constitution und den Wasserfällen an. Jeder Stop, sei es ein Supermarkt oder ein Hotel, ist auf der Karte eingezeichnet und ich frage mich, ob alles überlaufen sein wird, da ich davon ausgehe, dass die Insel ganz klein ist. Natürlich ist sie das nicht. Um vom Fährhafen zum Hotel zu kommen, fahren wir etwa 25 Minuten durch Wälder. Ich lache mich dafür aus, eine Fahrradtour über einen Teil der Insel vorgeschlagen zu haben. Im Hotel bekommen wir eine Suite mit Balkon und Meerblick, es gibt einen Kamin und ich find‘ es großartig, denn alles ist schick und hip. Orcas Island ist eine Bio-Hipster-Insel. Das beweist auch der Community Market, der ein besseres veganes Angebot als die meisten deutschen Supermärkte hat. Ich gönne mir ein Eiscreme-Sandwich bestehend aus Schoko-Cooke und Kokosschoko-Eis. Schade, dass man Eiscreme nicht im Flugzeug mitnehmen kann.
Mit dem Auto fahren wir dann hoch auf Mt. Constitution, um durch den Wald zu wandern und die Wasserfälle zu bestaunen. Auf unserem Weg dorthin stehen Rehe auf der Straße und niemanden kümmert es. Noch was für die Wildtier-Liste. Wir wandern durch die Wälder und ich bin sehr langsam, da ich nie wandern gehe und es bergauf so anstrengend ist. „Irgendwie sind wir mir peinlich. Wir sehen aus wie Instagram-Wanderer“ sagt Z. Er hat Recht, ich nehm das Wandern aber trotzdem ernst und im Endeffekt sieht uns eh kaum wer, da fast niemand außer uns unterwegs ist. Wir laufen hoch, wir laufen runter und dann laufen wir wieder hoch – ganz hoch auf Mt. Constitution. Wir können über das ganze Meer blicken. Das Wasser sieht aus wie blauer Sand und auch die Kaskadenkette ist wieder im Hintergrund.

Whale Watching

Nächster Tag. Seine Mom hat angerufen und uns empfohlen im Hotelcafé zu frühstücken, da es überregional gute Bewertungen habe. Wir hören auf sie und ich esse das beste Frühstück aller Zeiten – es ist herzhaft. Die Bratkartoffeln mit Pilzmischung, Spinat und getrockneten Tomaten schmecken fantastisch und ich bin dafür, dass sich Hashbrowns, also Bratkartoffeln auch in Deutschland zum Frühstück durchsetzen sollten. Auf dem Weg zum Whale Watching fängt es an zu regnen. Ich trage ein gelbes Regencape und bin somit die einzige Person im pazifischen Nordwesten ohne regenfeste Jacke. Dafür sehe ich aus wie eine Ente. Die Tour soll etwa vier Stunden dauern, da man weit aufs Meer fahren muss. Heute gilt das ganz besonders, denn durch die Ebbe ist der Meeresspiegel so sehr gesunken, dass kein einziges Boot anlegen kann. Wir sind zu zehnt auf dem Forschungsschiff. Der Guide erzählt, dass wir Glück haben da ein Buckelwal namens „Big Momma“ bereits gesichtet wurde. Die Forscher auf den Schiffen registrieren die Buckelwale anhand des einzigartigen Musters auf der Innenseite der Schwanzflosse. „Big Momma“ ist mittlerweile zum fünften Jahr in Folge in der Nähe. Letztes Jahr hatte sie ihr Kalb „Poptart“ dabei. Wie alt die Wale sind, kann niemand sagen, da die Forschung erst seit 30 Jahren betrieben wird, Wale aber viel älter als 30 werden können. Wir sind mittlerweile schon sehr weit draußen, hier gibt es nur noch vereinzelte Inseln und ansonsten nur uns und ein weiteres Forschungsschiff. Irgendwann rennen dann alle auf das Deck, da „Big Momma“ in Sicht ist. Wie groß sie wirklich ist, wissen wir nicht, da sie ja immer nur Teile von sich zeigt. Immer dann wenn wir ihre Schwanzflosse sehen, bedeutet es, dass sie auf längeren Tauchgang geht. Wir sind alle ganz begeistert.
Nach einer halben Stunde mit dem Buckelwal, von dem alle Schiffe übrigens mindestens 100m Abstand halten müssen, gibt es eine weitere tolle Nachricht. Es wurden Orca-Schwärme gesichtet! Wir fahren in kanadische Gewässer. Auch die Orcas werden registriert und anhand ihrer Flecken wiedererkannt. Der Guide sagt, dass wir unglaubliches Glück haben, Orcas und einen Buckelwal auf der gleichen Tour zu sehen. Er erzählt von seiner Forschungsarbeit. Beispielsweise liegt die Todesrate von Orca-Kälbern bei 50%. Die Muttermilch der Orcas besteht zur Hälfte aus Fett. Zwar ist ein bestimmter giftiger Schiffslack längst verboten, die Giftstoffe werden ebenso wie Plastik aber immer noch von den Tieren aufgenommen und gelangen mit der Muttermilch direkt ins Kalb. Wir sehen drei Orca-Familien, die das Schiff einngekreist haben. Eine davon hat auch ein Kalb dabei. Es ist klein und süß und laut Guide ziemlich unbeholfen, da es in den ersten 15 Monaten seines Lebens kaum schwimmen kann. Bei der Geburt müssen Muttertier und ein „Hebammen“-Wal das Kalb sogar an die Oberfläche zum Atmen schubsen, da es wirklich gar nichts selber kann. Müde von der Kälte, aber glücklich über das Neugelernte und die vielen Wale, schlafe ich auf dem Schiff ein. Vor uns liegen immerhin noch eine Stunde Fährfahrt und zwei weitere Stunden Fahrt nach Hause. Und in zwei Tagen geht es auch schon wieder zurück nach Deutschland.

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1 Comment

  • restaurant en livraison 14. September 2017 18:08

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