Gedanken der Woche KW#48

Gedanken der Woche KW#48

Polit-Kram, koreanisches Essen, IKEA und Popkultur, Findet Dorie im Kino und ein Besuch in Berlin für zwei Veranstaltungen.

Gedacht: So manche Cultural Appropriation- Diskussion nimmt echt bizarre Formen an. Vor einiger Zeit, hätte ich das Konzept noch total gefeiert, mittlerweile sehe ich es kritisch, ebenso wie Critical Whiteness. Ich hab das Gefühl, dass an in anti-rassistischen Kontexten kaum bis gar nicht drum herum kommt und sobald man sich als PoC kritisch oder dagegen äußert, ist man Token oder Whitewashed. Momentan würde ich sagen, dass ich einfach mehr lesen muss, um eine fundiertere Kritik ausformulieren zu können. Vorab kann ich sagen, dass es ein hin und her ist, das mir auf die Nerven geht.

Geredet: Es gibt Themen, die man immer nur mit ganz bestimmten Personen besprechen kann und dann ist es gut eine Allnet-Flat zu haben. Danke auch digitale Kommunikation.

Gewesen: Für die Bundeskonferenz der Neuen deutschen Medienmacher bin ich nach Berlin gefahren. Der Verein besteht vor allem aus nicht-weißen Journalist*innen und anderen Medienschaffenden und setzt sich für mehr Vielfalt und Sichtbarkeit in der deutschen Medienlandschaft ein. Umso genervter war ich, dass die Forderungsdiskussion ziemlich zäh verlief und scheinbare Grundsatzdiskussionen losgetreten wurden. Ich persönlich bin kein Fan von der Formulierung „mit Migrationshintergrund“, das ist aber immer noch besser als die Bezeichnung Einwanderer, die jemand vorschlug und abgelehnt wurde, da sie nicht präzise ist. Die NDM haben ein tolles Glossar zum Thema Wording rausgebracht, ein wichtiges Thema für alle Journalist*innen, gerade wenn rechtsextreme Kampfbegriffe oft einfach übernommen werden und somit Eingang in den alltäglichen Sprachgebrauch finden. Besonders auf die Podiumsdiskussion hatte ich mich gefreut, bin aber eher mit gemischten Gefühlen nach Hause gefahren, da es mMn oftmals den Anschein hatte, dass es persönlich wurde und viel um Befindlichkeiten ging.
Auch Hassrede war ein Schwerpunkt der Konferenz und allgemein für meinen Tag, da ich vorher noch beim Barcamp der Amadeu-Antonio-Stiftung war, welches unter dem Hashtag #lovecamp lief. Ich habe durchs später kommen, nicht alle Sessions miterlebt. Den kurzen Vortrag von Feminismus im Pott fand ich nett, aber auch sehr allgemein. Vor allem auf Facebook bereichert das Kollektiv meinen Feed, klickt euch da mal rein. Außerdem war ich in einem GIF und Meme-Workshop und weiß jetzt, wie ich GIFs von mir selbst machen kann. Der Besuch in Berlin war mein erstes Barcamp und ich bin jetzt schon ein ziemlicher Fan von diesem offenen Format. Momentan weiß ich aber nicht was ich von dem Love-Movement halten soll, da mir diese Einteilung in Hass und Liebe recht schwarz-weiß vorkommt, ich aber auch nicht weiß, was mein umfangreicher Lösungsansatz wäre. Hass als solchen zu benennen ist aber an sich keine schlechte Praktik.

Gefreut: Ich hab die erste Zusage für einen Science Slam bekommen. Mir war während des Schreibprozesses der Bachelorarbeit immer klar, dass ich die Ergebnisse gern vorstellen würde und auch das rege Interesse an meiner Arbeit hat mir gezeigt, dass da ein Bedarf ist. Meinen ersten Science Slam werde ich im Januar in Fulda machen.

Geschaut: Seit dem Filmstart wollte ich Finding Dory sehen, doch durch die BA wurde das leider nichts. Anders als bei Blockbustern oder Arthouse-Filmen, werden Animationen selten im O-Ton gezeigt und so nutzten wir den letzten Spieltag in den Passage Kinos und schauten eben auf Deutsch. Ich freu mich immer über Pixar-Filme (es sei denn, es ist Arlo&Spot oder Cars) und war schon gespannt auf die Story. Sequels zu machen ist meist nicht leicht, aber die Erwartungen waren durch die Toy Story-Teile sehr hoch. Alles in allem fand ich den Film ganz nett, aber nicht herausragend, da das ständige verloren gehen dann doch zu oft eingesetzt wurde und ich mich zum ersten Mal bei einem Pixar Film gefragt habe, ob das jetzt nicht ein bisschen absurd ist. Spoiler: Das mit dem Auto und den Ottern fand ich dann doch etwas weiter hergeholt. Man sollte nicht außer Acht lassen, dass der Film verschiedene Traumata zeigt. Dass darauf mehr oder minder eingegangen wird, stört mich nicht so arg, schließlich ist er hauptsächlich auf Kinder ausgelegt und eben nicht Inside Out. Marlins vorwurfsvolle Art und Selbstzweifel, die er auf andere überträgt, wird zumindest mehrmals angedeutet. Besonders gefallen haben mir die Nebencharaktere wie Hank oder Destiny gefallen.

Gegessen: Nachdem ich mich nach einem Bibimbap-Fail vor einem Besuch im koreanischen Restaurant gesträubt hatte, konnte ich nach etlichem Fragen doch überzeugt werden. Meetfreude in der Südvorstadt ist äußerst beliebt, wie ich beim Besuch feststellen konnte und bietet leckeres Essen. Dass ich so eine Abwehrhaltung an den Tag gelegt habe, liegt nicht an koreanischem Essen speziell, sondern lässt sich eher mit meinem Mangel an Food-Ausprobier-Freude begründen. Im Nachhinein denke ich dann immer, dass ich das am liebsten schon hätte früher probieren wollen. Naja.

Gekauft: Sehr spontan ging es zu IKEA. Da ich nichts brauche, bin ich einfach mitgefahren, um den anderen beim Matratze testen und Zeug aussuchen zuzuschauen und im Schwedenshop zwei Tüten Chips und Kekse abzustauben. IKEA ist super, um Interaktionen von vor allem Paaren zu beobachten und immer wenn ich dort bin, frage ich mich, warum noch niemand eine Studie zu a) IKEAs popkulturellem Einfluss und b) Vorkommen in studentischen/ersten Wohnungen gemacht hat. Oder doch? Ich bin gerade zu faul, um zu googlen. Jedenfalls stehe ich dann immer zwischen Kallax und und wie nicht alle heißen und gehe im Kopf eine Liste junger Leute durch, die das Regal nicht hat. Außerdem bin ich jedes Mal aufs neue von diesen Mini-Wohnungen, aus denen man trotzdem sooo viel machen kann, genervt. Wo in Deutschland gibt es denn bitteschön quadratische 25qm² Wohnungen ohne Türen und Wände und offener Küche? Ah. Na jedenfalls bin ich dann doch mit zwei Gläsern und einem Fußabtreter nach Hause, aber das brauche ich dann halt doch.
Zum Geburtstagsgeschenkekauf traf ich mich dann Freitagnachmittag in der Innenstadt und werde das nie wieder tun. Da hingegen war IKEA ein Traum, denn in der Vorweihnachtszeit freitagnachmittags einkaufen zu gehen, ist totaler Blödsinn es sei denn man steht auf Glühwein in der Kapuze. Geschenke kaufen verschiebe ich dann wohl auf Montagmorgen.

Genervt: Ich bin genervt von „Wenn wir so hart arbeiten wie die Männer, werden wir so erfolgreich wie die Männer“-„Feministinnen“ und allen, die sich darin einreihen. Nun gibt es eine neue tolle Entdeckung, nämlich, dass Ivanka Trump auch eine GAAAAAANZ tolle Feministin ist, weil sie ja arbeitet UND Kinder hat und sich auf beiden Ebenen verwirklicht. Man müsse sich wegen Ivanka keine Sorgen um ihren Präsidenten-Vater machen – Bullshit. Ich weiß nicht, ob ich dazu nochmal was extra schreiben soll, aber wer ehrlich denkt, dass Ivanka eine tolle Feministin sei, die bspw. An Minderheiten denkt, hat den Wahlkampf anscheinend nicht verfolgt und Feminismus auch nicht verstanden.

Gelinkt: Wie frauenverachtend ist es eigentlich, dass der Regisseur von Last Tango in Paris die Hauptdarstellerin mit einer Vergewaltigungsszene „überrascht“ hat? Triggerwarnung! Außerdem „Der Hass ist nicht neu. Für uns nicht.“ Mely Kiyak über Ausgrenzung ihrer Journalisten-Kolleg*innen und Hass gegen nicht-weiße Journalist*innen.

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