Gedanken der Woche KW#47

Gedanken der Woche KW#47

Fast eine ganze Woche in der Provinz, ein verstörender Kinofilm und ein Strategietag.

Gedacht: Mittlerweile bin ich in meinen sechs Monaten Pause, bevor es dann mit Praktikum und Master-Studium weitergeht. Ich hab so viele Pläne und merke aber auch, wie ich einfach nur träge und übermüdet auf der Couch liege und am liebsten nur schlafen würde. Ein symbolischer 2016-Zustand: Ich will ganz viel, aber ich will auch einfach nichts und Sorgen wegschlafen. Zumindest weiß ich, dass ich viel mehr lesen mag, um in Sachen politischer und soziologischer Theorie wieder fit zu werden. Der Gedanken, schon wieder so viel vergessen zu haben und noch so viel lernen zu müssen (und zu wollen) trifft hierbei auf „Ich weiß nicht wo ich anfangen soll“ und wird wahrscheinlich erst dann enden, wenn ich das erste Buch durchgelesen habe.

Gesehen: Einfach so bin ich mit zum Eröffnungsfilm der lateinamerikanischen Filmtage gekommen und freute mich, meinen Gutschein einlösen zu können, der wegen Krankheit jetzt ein Jahr in der Schublade lag. Kurz die Beschreibung zu „El Rey de la Habana“ gelesen und dann ab in die mal wieder total überfüllte Nato. Der Film war ausverkauft, wie es sich die Veranstalter*innen wünschten und ich saß nichtsahnend im Saal. Spoiler: Irgendwie hatte ich einfach einen Film über das Leben des Protagonisten gerechnet und nicht mit einer Splatter-Horror-Komödien-Mischung. In den ersten paar Minuten sah man zwei Jungen masturbieren. Sie wurden von ihrer Mutter erwischt, diese ist aus Versehen in elektrische Kabel gefallen und wurde verbrannt, dann hat sich der eine Sohn vom Dach gestürzt. Viel Blut und verbranntes Fleisch und das in den ersten paar Minuten. Im Laufe war dann viel Drama samt Mord und Totschlag und vor allem viel Sex dabei. Furchtbar unangenehm in einem Kinosaal zu sitzen und auf Leinwand so viel Penetration zu sehen. Eine Frau fing dann einfach an zu lachen, als der sehr junge Protagonist von einer sehr sehr alten Frau einen Blowjob bekam. Ich hab meine Freundin einfach immer wieder gefragt, was das für ein Film sei. Zum Schluss sind alle etwas verstört und schweigend aus dem Saal gehuscht.

Gewesen: Auch wenn ich nicht mehr in meinem Herkunftsort wohne und meine, vieles hinter mir gelassen zu haben, schreibe ich jedes Mal wenn ich dort bin, wieder unendlich viele Texte über diese Stadt. Wahrscheinlich kann man mit nichts „abschließen“, wenn man aus familiären und freundschaftlichen Gründen immer wieder dort ist. „Ist halt so“ denke ich mir oft, aber dieser Ort bündelt einfach eine Menge Eigenschaften, die ich verabscheue. Das zeigt sich, wenn ich abends nach Hause laufe und eine Gruppe junger Menschen über die „Ausländerseuche“ redet oder überall Nazi-Sticker kleben. So überrascht es kaum, dass ich zurück in Leipzig meist einen Tag zum Runterkommen brauche und etwas Abstand zu Umständen gewinnen muss, die ich mich frustrieren, aber eh nicht änderbar sind.

Gegessen: Die ganze Woche über passte ich auf meinen kleinen Bruder auf, weshalb es auch „kinderfreundliches“ Essen gab: selbstgemachte Pizza, Nudeln, Rösti und auch mal mein Lieblingsessen Banh Cuon. Ist es eigentlich generell so, dass Kinder ihr Frühstück aus der Brotbüchse nicht gerne essen? Ginge es nach meinem Bruder hätte ich immer nur warme Sachen eingepackt, allerdings sollen die Kinder möglichst immer Brot dabei haben und das scheint wenig zu begeistern. „Ich mag keine Wurst, ich mag keinen Käse“ und da tägliches Nutella keine Option ist, blieb die Auswahl gar nicht mehr so groß.

Gefunden: Für Zeit mit der Familie nehme ich eben auch kleinstädtische Tristesse in Kauf. Wenn man dann z.B. bei Omi und Opa Marzipan nascht und irgendwas auf Sky schaut ist allerdings alles sehr schön. Meist stöbere ich auch durch alte Fotos und habe somit auch wieder ein Kindheitsbild gefunden (siehe Artikelbild). Verkleiden war schon immer mein Ding.

Getroffen: Mit viel Erschöpfung und Erkältungssymptomen ging es dann zurück nach Leipzig. Am Sonntag stand der Strategietag unseres Digital Media Women Quartiers an. Wir haben eine Menge Veranstaltungen für das Jahr 2017 geplant. Die Themen sind breit gefächert, hinzu kommen Meet Ups, also Vernetzungstreffen und ich bin gespannt auf alle Interessentinnen und aufs Vernetzen.

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