Gedanken der Woche KW#46

Gedanken der Woche KW#46

Leute! Das größte Projekt des Jahres ist weg und ich fühle mich so erleichtert. Ich hab meine Bachelorarbeit eingereicht. AHHHHHHHHHHHH.

Geschafft: Ich weiß, normalerweise fangen wir mit dem Stichwort „Gedacht“ an, aber meine Güte: Ich hab es geschafft, meine BA abzugeben. Insgesamt 25 Wochen saß ich an der Bearbeitung, effektiv war mein Alltag seit Ende September von der Schreibphase dominiert. „‚Und so viel sei verraten: An den Männern liegt es nicht!‘- Wie „BRAVO GiRL!“ und „GLAMOUR“ ihren Leserinnen Sexualität und Selbstbild vermitteln“ ist der Titel meiner Arbeit und hat natürlich wochenlanges Lesen dieser Zeitschriften beinhaltet, was ziemlich matschig gemacht hat.  Alles in allem war es nicht „schwer“, sondern einfach anstrengend. Vor allem die Datenerhebung hat eine Menge Konzentration erfordert, aber ich wollte ja sowieso schon immer mal im größeren Umfang eine Forschungsmethode anwenden. Natürlich kam ich innerhalb der Arbeitsphase immer wieder an den Punkt, an dem ich einfach nur irgendwas hinrotzen wollte, um möglichst zügig ans Ende zu kommen. Ziemlich blöd natürlich, denn wenn man so viel Arbeit in etwas steckt, lohnt sich auch Gründlichkeit.

Ein Glück habe ich unglaubliche Freundinnen und einen tollen Freund, die hintereinander in zwei Korrekturphasen meine Arbeit gelesen und korrigiert haben.

Ich denke, dass ich zum Prozess des Schreibens und zur Arbeit selbst nochmal eigene Artikel fertigmachen werde. Sowohl die vielen Glückwünsche, als auch das rege Interesse an der Veröffentlichung meiner Arbeit spielen da mit rein.

Gedacht: Weit weg und fremd vermittelt sehen so viele Dinge toll und erstrebenswert aus. In direkter Konfrontation merkt man über eine Zeit, dass es aber ganz und gar nicht schön, vielleicht fast schon schädigend für sich selbst ist.

Gefeiert: „Du musst deine Abgabe feiern!“ „Okay, eine Rund-SMS kommt.“ Mit den liebsten Menschen in der Lieblingsbar mit einem Virgin Colada und dann nochmal mit einem Ipanema anzustoßen, quatschen, lachen – was gibt es besseres. Meinen Gästen hab ich regelmäßig von den Plagen der BA berichtet, umso besser dann einfach entspannt zusammenzusitzen. Das war fast wie Geburtstag feiern <3

Geslammt: Apropos Wolfsburg: Ich hatte eine letzte schöne Tour für dieses Jahr in Wolfsburg und Braunschweig. Es ging los mit einer schicken Spoken Word Gala in der Wolfsburger Stadtbibliothek, der andere Stop war in Braunschweig.

Gewesen: Die Menschen in den oben genannten Städten waren super freundlich, ähnlich ging es mir ja in den beiden Tour-Städten der letzten Woche. Mir fällt dieser Kontrast einfach besonders im Gegensatz zu Leipzig auf. Es fängt beim „Schönen Tag noch“ beim Einkauf an und macht sich auch in anderen alltäglichen Situationen bemerkbar, vor allem wenn es um Hilfe geht. Während die Leipziger Busfahrer schon mega genervt werden und auch gerne mal rummotzen, wenn du nicht sofort dein Ticket findest, blieb der Wolfsburger Fahrer ruhig, murrte nicht, als das mit der Zahlung etwas länger dauerte. Im total überfüllten Bus machte man mir dann trotzdem Platz, da man meinen Rollkoffer sah. In Leipzig hätte man nur gedrängelt oder wäre unter Fluchen ganz und gar zur Seite geschoben worden, so geschieht es ungefähr mehrmals die Woche in der Linie 89. Ich könnte jetzt noch mehr Vergleiche bringen, bevor aber wieder jemand sein makelloses Leipzig angegriffen fühlt: Sogar in Berlin ist es besser, sagt Karo.

Gesehen: Bin ich in einer anderen Stadt, dann interessieren mich besonders die Museen. Wolfsburg hat ein großes Kunstmuseum, welches aktuell zwei Ausstellungen zeigt. „This was tomorrow über Popart in England, sowie „Käfig der Freiheit“. Zweitere hat wesentlich mehr in mir ausgelöst und immer wieder dazu gedrängt in den Ausstellungskatalog zu schauen. Im Gegensatz zur Popart-Ausstellung ist auch einfach viel mehr hängen geblieben, fast jede*r Künstler*in hat neue Denkanstöße gebracht. Allen voran Katie Armstrongs Film, durch den ich gleich im Museum am liebsten einen Text geschrieben hätte. Ihr Film besteht aus 320 gemalten Einzelbildern, die am Computer bearbeitet wurden und handelt von der Zeit der Künstlerin in Berlin, die ihren Zustand „[…] zwischen Gefühlen von Einsamkeit und unendlichen Möglichkeits- und Freiheitsräumen aus[lotet]“. Durch die festgelegte Reihenfolge wusste ich, dass danach Werke von Damien Hirst kommen würden. Er ist für mich einfach der Typ, der mal eine ganze Kuh in Formaldehyd gelegt hat. In Wolfsburg steht sein Glaskubus, in dem Fliegenlarven deponiert sind. Sie haben keine Möglichkeit auszubrechen und sterben entweder eines natürlichen Todes oder aber durch ein Elektrogitter, das sie durch Licht anzieht und an dem sie um ans Futter zu kommen, vorbeimüssen. Laut des Künstlers soll hier die Nähe von Tod und Leben gezeigt werden, das elektrische Gitter stünde für einen plötzlichen Faktor, man könne das Werk auch auf das menschliche Leben übertragen – aha. Ich finde es einfach eklig und vor allem unnötig, zumal die Larven immer wieder aufgefüllt werden müssen. Ähnlich geht es dem Museumsangestellten, mit dem ich darüber gequatscht habe. Generell konnte man sich sehr gut mit den Menschen vor Ort unterhalten, vielleicht ganz nett, wenn man für einen Moment lang nicht mit seinen Gefühlen ausgelöst durch die Werke hin weiß. „Ich hab mich auch immer gefragt, ob die Angestellten in den Ausstellungen und Museen es langweilig finden, einfach auf die Werke aufzupassen.“ „Ach keineswegs, wir wechseln uns mit den Standorten ab und ich bekomme immer wieder neue Perspektiven.“

Der Museumsshop, der an die letzte Ausstellung anschließt ist übrigens kein typischer und gibt durch den ganzen hässlichen Kitsch fast Grund zur Empörung. Kleine Plastikfeen hängen zwischen Geschenkartikeln. Selbst der Laden, in dem ich damals immer meine Diddl-Sachen gekauft habe, war im Vergleich ein Concept Store. Vielleicht ist das aber auch beabsichtigt, und die Besucher*innen sollen durch den ganzen Ramsch ein bisschen runterkommen.

Gegessen: Mit der Fertigstellung der BA rückte auch die Zeit näher, in der ich kochen nicht als Aufschiebe-Ausrede nutzen muss und somit ganz entspannt am Herd stehen kann. In der Endphase gab es Tortellini-Auflauf mit meiner neuen Käsesoße (auf Insta wurde nach dem Rezept gefragt, es wird kommen) und Chilli, von dem man eine ganze Weile essen kann. Am Endkorrektur-Tag blieb nur Zeit, um Tofu mit Gemüse und Reis zu holen, dafür wurde sich tags drauf mit Pho belohnt. Mein Lieblingssnack sind seit einiger Zeit gefüllte Weinblätter und weiße Bohnen in Tomatensoße. Mit dem Gedanken daran lag ich Ende der Woche im Hotelbett, nur um dann am nächsten Tag diese leckeren Antipasti in einem Laden geschenkt zu bekommen, Wolfsburg wie nice!

Geärgert: Ganz ohne Ärgernisse funktioniert es wohl nicht und so entdeckte ich nach Abgabe der Druckdaten einen Rohrbruch im Keller. Jede Box stand unter Wasser, sodass ich erstmal eine Menge Kram wegschmeißen musste. Den Tag wollte ich eigentlich nicht im Keller verbringen, zu allem Überfluss handelte es sich bei dem Rohr auch noch um den Fäkalabfluss – ja richtig angenehm :))))) Die Verwaltung hat erst nach langem Nachfragen eine Reinigung angeordnet, wobei eigentlich klar sein muss, dass der menschliche Abfall der Hausbewohner*innen nicht ewig im Keller liegen und die Feuchtigkeit entfernt werden sollte. Naja, wenigstens das Adventshaus konnte ich retten, denn dieses blieb unversehrt.

 

 

 

 

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1 Comment

  • ingmar 22. November 2016 16:11

    „Ist der Titel meiner Arbeit“… da fehlt der Titel der Arbeit 🙂

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